Prozess gegen mexikanischen Drogenboss
„El Chapo“ muss womöglich ohne eigene Anwälte auskommen

Seit Monaten hat der mexikanische Drogenboss „El Chapo“ seine Familie nicht treffen können, nun sieht er sie im Gerichtssaal. Die Vorbereitungen für den Prozess laufen - womöglich ohne eigene Anwälte des Drogenbosses.
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New YorkEs ist Punkt 10 Uhr morgens, als Joaquín „El Chapo“ Guzmán in dunkelblauem Häftlingshemd den Gerichtssaal betritt. Er winkt seiner Frau, seiner Schwester und seinen Zwillingstöchtern in der zweiten Reihe, die Mädchen wirken aufgeregt und lächeln. Die kurze Gerichtsanhörung in New York am Montag hat dem mexikanischen Drogenboss die Chance gegeben, mit seiner Familie wenigstens ein paar Blicke zu wechseln. Der Ausgang seines für April 2018 geplanten Strafverfahrens ist dagegen völlig offen.

Guzmán, der in 17 Punkten angeklagt ist und zu lebenslanger Haft verurteilt werden könnte, muss im Prozess möglicherweise ohne seine privaten Anwälte auskommen. Weil die USA bisher offen lassen, ob sie deren Honorare, die aus mutmaßlichen Drogenverkäufen stammen dürften, im Fall seiner Verurteilung beschlagnahmen würden, sind ihnen eigener Aussage zufolge die Hände gebunden. „Der Mann hat ein Recht auf einen Anwalt seiner Wahl“, sagte Jeffrey Lichtman.

Die Regierung könnte die Honorare auch beschränken und es den Anwälten erschweren, ein größeres Team zusammenzustellen. Bisher wird Guzmán von seinen Pflichtverteidigern Michelle Gelernt und Michael Schneider vertreten.

Richter Brian Cogan machte der Staatsanwaltschaft am Montag Druck, die große Menge an Beweismittel schneller durchzuarbeiten. Zwölf Staatsanwälte und deren Assistenten saßen an einem Tisch im Saal. „Vermutlich arbeitet das Doppelte oder Dreifache im Hintergrund. Nutzen Sie sie“, forderte Cogan. Die privaten Anwälte fürchten, angesichts der Menge an Beweismitteln und ohne die Zusage, ihre Honorare behalten zu können, nicht rechtzeitig in den Prozess einsteigen zu können. „Man geht nicht einfach in so einen Fall und fängt mit dem Kreuzverhör an“, sagte Lichtman nach der Anhörung.

Lichtman und seine Kollegen Eduardo Balarezo, Marc Fernich und William Purpura haben reichlich Erfahrung in Verfahren zu Drogenschmuggel und Prozessen gegen die Mafia. Lichtman hatte den prominenten New Yorker Mafia-Boss John Gotti vertreten, der mehrere Mordklagen abschüttelte und sich damit den Spitznamen „Teflon-Don“ erwarb (Gotti starb 2002 im Gefängnis an den Folgen einer Krebserkrankung). Von schätzungsweise 14 Milliarden Dollar (11,9 Mrd Euro) aus mutmaßlichem Drogenhandel fehlt den US-Behörden weiterhin jede Spur.

Ob Guzmán auf eigene Anwälte zählen kann, könnte sich am Donnerstag entscheiden, wenn er erstmals seit seiner Auslieferung an die USA im Januar Besuch von einem Familienmitglied bekommt. Bei dem zweistündigen Besuch im Gefängnis in Manhattan hört die Regierung allerdings mit, vertrauliche Informationen zu mutmaßlich versteckten Geldern könnte Guzmán also nur schwer weiterreichen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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