Prozess gegen Uli Hoeneß: „Wir sind ja nicht dämlich“

Prozess gegen Uli Hoeneß
„Wir sind ja nicht dämlich“

Kurzer Prozess: Wahrscheinlich wird das Urteil gegen Steuersünder Uli Hoeneß doch schon am Donnerstag gesprochen. Seine Verteidiger hatten die auf 27,2 Millionen Euro bezifferten Steuerschulden am Mittwoch akzeptiert.
  • 19

MünchenDer dritte Tag im spektakulären Prozess um Steuersünder Uli Hoeneß ist am Mittwoch nach nicht einmal eineinhalb Stunden Verhandlungszeit zu Ende gegangen. Zuvor hatte die Verteidigung die am Vortag von einer Finanzbeamtin bezifferten Steuerschulden von 27,2 Millionen Euro anerkannt.

Richter Rupert Heindl betonte, dass das Gericht bei einem Urteil von den neuen Zahlen ausgehen wird - und nicht von den 3,5 Millionen Euro, die Hoeneß in der Anklage vorgeworfen wurden. „Die Zahlen hält die Verteidigung für sachgerecht, da zweifeln wir nicht dran“, sagte Hoeneß' Anwalt Hanns W. Feigen am Mittwoch vor dem Landgericht München II.

Die Verteidigung sei von den am Mittwoch bekanntgewordenen Zahlen keineswegs überrascht gewesen. „Wir sind ja nicht dämlich!“, sagte Feigen und betonte zudem: „In der Selbstanzeige, die Herr Hoeneß am 17. Januar 2013 eingereicht hat, sind sämtliche Zahlen bereits enthalten.“

Die Daten gehen nach Ansicht Feigens auch aus der Selbstanzeige vom 18. Januar 2013 hervor. Richter Rupert Heindl betonte, dass das Gericht bei einem Urteil von den neuen Zahlen ausgehen wird – und nicht von den 3,5 Millionen Euro, die Hoeneß in der Anklage vorgeworfen wurden.

Offen ließen die Verteidiger allerdings, warum Hoeneß dann nur 10 Millionen an das Finanzamt überwies, wenn die Summe bereits unstrittig gewesen sein soll. Die Staatsanwaltschaft sagt weiterhin, die neuen Summen seinen nicht in der Selbstanzeige enthalten – was auch erklären würde, warum die Hoeneß in der Anklageschrift vorgeworfene Summe „nur“ bei 3,5 Millionen Euro liegt.

Verteidiger Feigen griff im Sitzungssaal unter anderem die Sprecherin des Landgerichts München wegen angeblich falscher Darstellungen an und ließ durchblicken: Hoeneß hofft weiter, den Justizpalast am Ende des Verfahrens als freier Mann verlassen zu können - wenn auch mit einer Steuer-Rechnung über mehr als 27,2 Millionen Euro. Entscheidend für das Strafmaß dürfte sein, wie das Gericht die Selbstanzeige bewertet. Dazu hatte sich Richter Heindl noch nicht geäußert.

Es erhärtet sich weiter die Annahme, dass Hoeneß doch einen genaueren Überblick über seine Steuerschuld hatte. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung" wollte er von dem zwischenzeitlich geplanten Steuerabkommen mit der Schweiz profitieren.

Wie das Blatt am Mittwoch unter Berufung auf nicht näher genannte „Ermittlungsergebnisse" berichtete, errechnete seine Schweizer Bank („Vontobel – Die Bank für die Hoeneß-Deals“) für ihn in diesem Zusammenhang eine einmalig zu zahlende Summe von 6,3 Millionen Euro. Damit wären ihm wahrscheinlich Abgaben in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro erspart geblieben.

Das Steuerabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland war von der schwarz-gelben Vorgängerregierung bereits fertig ausgehandelt gewesen. Es scheiterte dann aber Anfang 2013 im Bundesrat am Widerstand von SPD und Grünen. Es sah eine pauschale und anonyme Nachversteuerung von Schwarzgeld in der Schweiz vor. Steuersünder, die fällige Abgaben nachzahlen, wären straffrei geblieben.

Seite 1:

„Wir sind ja nicht dämlich“

Seite 2:

Zu spät vor Gericht

Kommentare zu " Prozess gegen Uli Hoeneß: „Wir sind ja nicht dämlich“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich war bis vor kurzem auch der Meinung das U.H. Is Gefängnisse sollte.

    Bin nun aber andere Meinung da das der Gesellschaft die er beschießen hat nur noch mehr Geld kostet.

    Ich denke es sollte eine schlauer Lösung gefunden werden, zum Beispiel die Nachzahlung der
    Steuerlast + das Vermögen mit dem diese Steuerlast erzielt wurde!

    War ja Teil der Straftat und sollte somit komplett eingezogen werden.

    Evtl. auch noch eine kleine Strafzahlung je nach schwere und Zusammenarbeit des Sünders.

  • Also ich würde schon sagen, dass Uli Hoeness ziemlich dämlich war. ABer gut. Jeder hat das Recht auf seine Meinung.

  • Wenn ich Richter wäre würde ich in Erwägung ziehen,
    Uli Hoeness zum Fertigbau des Beliner Flughafens zu verurteilen .
    Dann wäre der Flughafen in 2 Jahren fertig , und würde maximal 70% von dem kosten was , bisher im Raum steht .

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%