Prozess gegen Uli Hoeneß „Wir sind ja nicht dämlich“

Kurzer Prozess: Wahrscheinlich wird das Urteil gegen Steuersünder Uli Hoeneß doch schon am Donnerstag gesprochen. Seine Verteidiger hatten die auf 27,2 Millionen Euro bezifferten Steuerschulden am Mittwoch akzeptiert.
Update: 12.03.2014 - 12:19 Uhr 19 Kommentare

Urteil wird für Donnerstag erwartet

MünchenDer dritte Tag im spektakulären Prozess um Steuersünder Uli Hoeneß ist am Mittwoch nach nicht einmal eineinhalb Stunden Verhandlungszeit zu Ende gegangen. Zuvor hatte die Verteidigung die am Vortag von einer Finanzbeamtin bezifferten Steuerschulden von 27,2 Millionen Euro anerkannt.

Richter Rupert Heindl betonte, dass das Gericht bei einem Urteil von den neuen Zahlen ausgehen wird - und nicht von den 3,5 Millionen Euro, die Hoeneß in der Anklage vorgeworfen wurden. „Die Zahlen hält die Verteidigung für sachgerecht, da zweifeln wir nicht dran“, sagte Hoeneß' Anwalt Hanns W. Feigen am Mittwoch vor dem Landgericht München II.

Die Verteidigung sei von den am Mittwoch bekanntgewordenen Zahlen keineswegs überrascht gewesen. „Wir sind ja nicht dämlich!“, sagte Feigen und betonte zudem: „In der Selbstanzeige, die Herr Hoeneß am 17. Januar 2013 eingereicht hat, sind sämtliche Zahlen bereits enthalten.“

Die Daten gehen nach Ansicht Feigens auch aus der Selbstanzeige vom 18. Januar 2013 hervor. Richter Rupert Heindl betonte, dass das Gericht bei einem Urteil von den neuen Zahlen ausgehen wird – und nicht von den 3,5 Millionen Euro, die Hoeneß in der Anklage vorgeworfen wurden.

Offen ließen die Verteidiger allerdings, warum Hoeneß dann nur 10 Millionen an das Finanzamt überwies, wenn die Summe bereits unstrittig gewesen sein soll. Die Staatsanwaltschaft sagt weiterhin, die neuen Summen seinen nicht in der Selbstanzeige enthalten – was auch erklären würde, warum die Hoeneß in der Anklageschrift vorgeworfene Summe „nur“ bei 3,5 Millionen Euro liegt.

Verteidiger Feigen griff im Sitzungssaal unter anderem die Sprecherin des Landgerichts München wegen angeblich falscher Darstellungen an und ließ durchblicken: Hoeneß hofft weiter, den Justizpalast am Ende des Verfahrens als freier Mann verlassen zu können - wenn auch mit einer Steuer-Rechnung über mehr als 27,2 Millionen Euro. Entscheidend für das Strafmaß dürfte sein, wie das Gericht die Selbstanzeige bewertet. Dazu hatte sich Richter Heindl noch nicht geäußert.

Es erhärtet sich weiter die Annahme, dass Hoeneß doch einen genaueren Überblick über seine Steuerschuld hatte. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung" wollte er von dem zwischenzeitlich geplanten Steuerabkommen mit der Schweiz profitieren.

Wie das Blatt am Mittwoch unter Berufung auf nicht näher genannte „Ermittlungsergebnisse" berichtete, errechnete seine Schweizer Bank („Vontobel – Die Bank für die Hoeneß-Deals“) für ihn in diesem Zusammenhang eine einmalig zu zahlende Summe von 6,3 Millionen Euro. Damit wären ihm wahrscheinlich Abgaben in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro erspart geblieben.

Das Steuerabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland war von der schwarz-gelben Vorgängerregierung bereits fertig ausgehandelt gewesen. Es scheiterte dann aber Anfang 2013 im Bundesrat am Widerstand von SPD und Grünen. Es sah eine pauschale und anonyme Nachversteuerung von Schwarzgeld in der Schweiz vor. Steuersünder, die fällige Abgaben nachzahlen, wären straffrei geblieben.

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19 Kommentare zu "Prozess gegen Uli Hoeneß: „Wir sind ja nicht dämlich“"

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  • Ich war bis vor kurzem auch der Meinung das U.H. Is Gefängnisse sollte.

    Bin nun aber andere Meinung da das der Gesellschaft die er beschießen hat nur noch mehr Geld kostet.

    Ich denke es sollte eine schlauer Lösung gefunden werden, zum Beispiel die Nachzahlung der
    Steuerlast + das Vermögen mit dem diese Steuerlast erzielt wurde!

    War ja Teil der Straftat und sollte somit komplett eingezogen werden.

    Evtl. auch noch eine kleine Strafzahlung je nach schwere und Zusammenarbeit des Sünders.

  • Also ich würde schon sagen, dass Uli Hoeness ziemlich dämlich war. ABer gut. Jeder hat das Recht auf seine Meinung.

  • Wenn ich Richter wäre würde ich in Erwägung ziehen,
    Uli Hoeness zum Fertigbau des Beliner Flughafens zu verurteilen .
    Dann wäre der Flughafen in 2 Jahren fertig , und würde maximal 70% von dem kosten was , bisher im Raum steht .

  • Sorry Herr Mauzi, aber wenn man Sie so hört, scheinen Sie ja der einzig Qualifizierte hier im Lande zu sein.
    Gestehen Sie vielleicht doch auch Anderen zu, das zu können was Sie können. Natürlich nicht so gut wie Sie.

    Der Herr Hoeneß gesteht vor Gericht ein >27 Mio. Euro Betrüger zu sein. Gelogen hat er von seiner Selbstanzeige bis zur Verhandlung. Eine Glaubwürdigkeit besitzt Herr H. nur noch bei Unverbesserlichen.
    Mehr braucht es doch nicht. Geständig, Reuig, das gibt Pluspunkte als nur für 3 Jahre in den Knast.

  • Ist ja unglaublich was hier wieder an Verschwörungstheorien zusammengesponnen wird. Besonders Mazi ist ja recht kreativ und spinnt sich was zusammen. Unfähige Steuerfahnder, geschmierte Richter, Herr Hoeneß hat ja gar keinen Gewinn gemacht... Was sie hier mutmaßen ist dermaßen lächerlich, zumal sie das ja in keinster Weise belegen können und ihre Aussagen auch völlig unlogisch sind. Wenn Herr Hoeneß niemals einen steuerpflichtigen Gewinn gemacht hat, hätte er sich wohl kaum selbst angezeigt! Ihre ganzen Mutmaßungen bauen wohl eher auf Ressentiments gegenüber allen staatlichen Institutionen auf...

  • Morgen wissen wir mehr. Ich gehe trotzdem davon aus, daß da noch mehr Leichen im Keller liegen. Ob es das Gros ist, was jetzt eingestanden wurde, wird sich zeigen. Ob UH tatsächlich den Überblick verloren hat, ist strafrechtlich nicht relevant. Und alles andere als eine entsprechende Strafe=Freiheitsentzug wäre der Allgemeinheit schwer vermittelbar. Ich hoffe auch darauf, daß die strafbefreiende Selbstanzeige zukünftig entfallen wird, weil sie nicht mehr zeitgemäß iist. Dann werden noch mehr Prominente kalte Füße bekommen. Wir "kleinen" Leute zahlen doch auch fleißig unsere Steuern und haben fast keine Möglichkeiten, diese über Zusatzgeschäfte zu "verändern"...

  • Unabhängig von der Steuerhinterziehung in zweistelligen Mio-Summen und der gleichzeitigen heuchlerrischen Selbstdarstellung als Gutmensch:

    1.) Es dürfte klar sein, dass die Geschäftspartner wie ADIDAS, AUDI, VW und Dt.Telekom durch direkte Zuwendungen ("Provisionen") nach Geschäftsabschlüssen maßgeblich am Vermögensaufbau beteiligt sind und waren. Nicht umsonst haben die Herren dieser Konzerne bis heute Hoeneß im Aufsichtsrat den Rücken gestärkt, weil sie allesamt ebenfalls dreckige Pfoten haben...

    2.) Hoeneß betrieb Insider-Geschäfte. Seine Aufsichtsrats-Kollegen werden ihm sicherlich ausreichend Anlage-Tipps und finanzielle Mittel gegeben haten, damit der Uli "zocken" konnte. Hoeneß gab seinerzeit selbst zu, dass er mit und gegen die Aktie von Borussia Dortmund gewettet hat. Hintertrieben wie er ist, wird er sicherlich auch auf fallenden Kurse gewettet haben, bevor er den Kauf von Mario Götze bekannt gab. Ähnliches Verhalten im Lewandowski-Transfer von Dortmund nach München usw.

    Hoeneß ist ein Lump wie er im Buche steht. Wenn ich sehe, wie der jetzt rumheult, flennt und um Gnade winselt, wird mir übel...

  • Wenn die Steuerhinterziehung eine Straftat ist, dann sollte meiner Meinung nach die Steuerverschwendung auch eine Straftat sein! Es kann doch nicht sein, dass der Statt auf der einen Seite (Einnahmenseite) jedem auf die Finger klopft und auf der anderen Seite (Ausgabenseite) nichts passiert, wenn zB das Verteidigungsministerium bei Rüstungsprojekten -wie letztes Jahr gesehen- mal rd. 500 Mio. Euro in den Sand setzt.

    Zu einer Steuergerechtigkeit gehört es auch, die Steuerverschwendung als eine Straftat zu behandeln.

  • Das Gerichtsverfahren gegen Hoeneß hinterlässt zunehmend bei mir einen sehr faden Beigeschmack: Ist dieser Richter wirklich unabhängig? Ist dieses Verfahren wirklich nach der Wahrheit aus? Man bekommt das Gefühl das Richter Rupert Heindl das Verfahren ganz schnell abhandeln möchte, bevor noch mehr "Staub augewirbelt" wird. Was das Straßmaß angeht ist die Sachlage zweifelsfrei: Eine Freihheitsstrafe ohne Bewährung und nicht unter 4 Jahren. Alles andere wäre ein Skandal und ein beleg dafür, das das Gericht in München hochgradig korrupt ist.

  • ...Junge, mach die Augen auf! Uli geht in den Knast - für locker 5 Jahre (besser länger!)...

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