Prozess in Memmingen
Mutmaßlicher Gammelfleisch-Händler beteuert Unschuld

Die Vorwürfe des Staatsanwaltes haben es in sich: Der angeklagte Händler habe eintausend Tonnen Fleischabfälle an Lebensmittelbetriebe weiterverkauft, dutzende Kunden solle er dabei betrogen haben. Seine Anwälte sehen das freilich anders.

HB MEMMINGEN. Ein bayerischer Fleischhändler muss sich seit Dienstag wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Verstößen gegen das Lebensmittelgesetz vor dem Landgericht Memmingen verantworten. Der ehemalige Geschäftsführer der Deggendorfer Frost GmbH hatte laut Anklage 600 Tonnen Schweineschwarten und 400 Tonnen Geflügelgerippe, die nur noch als Tierfutter geeignet waren, zur Herstellung von Suppen und Gelatine an die Lebensmittelindustrie verkauft. Der Angeklagte, der seit einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt, bestritt, etwas Unrechtes getan zu haben: Das Material sei für Menschen tauglich gewesen, erklärten seine Verteidiger.

In dem Memminger Strafprozess wirft der Staatsanwalt dem Angeklagten vor, er habe gewusst, dass die belieferten Firmen aus Schweineschwarten und Geflügelteilen Nahrungsmittel produzieren wollten. Der einschlägig vorbestrafte 40-Jährige schwieg vor Gericht. Seine Anwälte wiesen die Vorwürfe in weiten Teilen zurück.

Insgesamt soll die Frost GmbH, Tochter eines Illertissener Fleisch- und Kühlhausbetriebes, rund 1 000 Tonnen Fleischabfälle im Ausland gekauft und für mehr als 300 000 Euro weiterverkauft haben. Die Anklage legt dem Ex-Geschäftsführer rund 70 Verstöße gegen das Lebensmittelgesetz, das Fleisch- und das Geflügelfleischhygienegesetz zur Last. In 50 Fällen wird ihm dabei auch Betrug vorgeworfen.

Die Ware war laut Anklage als Kategorie III eingestuft, die entgegen Kategorie I und II nach EU-Recht nicht für die Lebensmittelproduktion verwendet werden darf. „Den Abnehmern gegenüber wurde die vom Angeschuldigten veräußerte Ware bewusst wahrheitswidrig als zum menschlichen Verzehr bestimmt und geeignet bezeichnet“, sagte Staatsanwalt Andreas Rossa.

Ein weiterer Gammelfleischhändler im niederbayerischen Metten hat unterdessen ebenfalls Insolvenz angemeldet, wie das Deggendorfer Amtsgericht am Dienstag bestätigte. Die Ermittler verdächtigen ihn, jahrelang mit altem Fleisch gehandelt zu haben.

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