Prozessauftakt im Fall Hoeneß Nichts als die bittere Wahrheit

Überfordert, hilflos, irritiert: Der erste Prozesstag nimmt für Uli Hoeneß eine fatale Wendung. Selbst sein Anwalt mahnt: „Erzählen Sie doch keinen vom Pferd.“ Am Anfang stand ein durchaus überraschendes Geständnis.
  • Cornelia Knust
Update: 10.03.2014 - 17:39 Uhr 45 Kommentare

Erste Bilder: Uli Hoeneß vor Gericht

MünchenDie Krawatte sitzt, ergeben blickt Ulrich Hoeneß stehend in die Kameras, schwer lehnt er sich später im Stuhl zurück, die Hände hat er vor sich auf den Tisch gelegt. Zwar hat er für seinen Auftritt vor Gericht eine Erklärung vorbereitet, in der die Worte, Reue, Bedauern, Ehrlichkeit und reinen Tisch machen vorkommen.

Doch er wirkt nicht geläutert, sondern verwirrt. Das Durcheinander um ganz neue Zahlen und Summen, die Hoeneß dem deutschen Staat vorenthalten haben soll, verstärken diesen Eindruck noch. Der Mann, der dort vor dem Landgericht München II auf der Anklagebank sitzt, ist ganz offensichtlich nicht Herr der Lage.

Jetzt sind es plötzlich 18,5 Millionen Euro an hinterzogenen Steuern. Das bemerkte Hoeneß-Anwalt Hanns Feigen während der Befragung des Angeklagten durch den Vorsitzenden Richter und den Staatsanwalt wie nebenher, als sei es eine Petitesse, auf die man später noch zurückkommen werde.

Aus Hoeneß‘ Umfeld verlautet in einer Verhandlungspause, die nun zusätzlichen 15 Millionen Euro hinterzogener Steuern gingen aus Unterlagen hervor, die erst in der vergangenen Woche durch die Hoeneß-Anwälte bei Gericht abgegeben worden seien. Die Summe lasse sich aus der Selbstanzeige vom 17. Januar 2013 errechnen, sei aber nicht Teil der Anklage. Hoeneß gestehe sie ein und werde sie zahlen.

Hoeneß, 62, ist in dem am Montag angelaufenen Prozess vor der 5. Strafkammer am Landgericht München II angeklagt, in den Jahren 2003 bis 2009 in seinen Steuerklärungen dem Finanzamt Miesbach seine beiden Konten bei der Bank Vontobel in der Schweiz vorenthalten zu haben und die dort angefallenen Kapitalerträge und Veräußerungsgewinne aus Spekulationsgeschäften und weiteren Kapitalanlagen verschwiegen zu haben.

Insgesamt hat er damit laut Anklageschrift rund 3,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen. Ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe. Die geleistete Selbstanzeige, deren rechtliche Würdigung umstritten ist, erwähnt Staatsanwalt Achim von Engel mit keinem Wort. Seine einzige Frage an den Angeklagten: „Warum erst jetzt?“

Warum haben der Angeklagte, seine Berater und die Bank Vontobel erst vor wenigen Tagen die Unterlagen vollständig vorgelegt, die die Finanzbehörden und den Staatsanwalt seit über einem Jahr interessieren? Das möchte auch der Vorsitzende Richter Rupert Heindl wissen.

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45 Kommentare zu "Prozessauftakt im Fall Hoeneß: Nichts als die bittere Wahrheit"

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  • Meine Prognose : Es wird einen Deal geben , wenn er nicht schon ausgehandelt ist . Weil das deutsche Steuerrecht so kompliziert ist , dass in schwierigen Fällen , eine korrekte Steuererklärung unmöglich ist . Und wenn das so ist ? ... kann eine Steuererklärung nie korrekt und folgerichtig , auch nicht strafbar sein ! Dazu darf es aber nicht zu einem Urteil kommen ! Also wird es einen Deal geben !

  • keine sorge das ..in amigo.... Haben Sie eine ahnung woher das wort amigo kommt?

  • 18 MIO Euro !!!!
    Wenn Hoeness nicht in den Knast geht habe ich jedes Vertrauen in Recht und Gesetz verloren. Die Richter und Staatsanwälte würden sich lächerlich und unglaubwürdig machen. Die Gesetze müssen für ALLE Bürger gelten. Auch fuer Herrn Hoeness. Hier kann es nur eine Entscheidung geben - KNAST und für die Strafe 18 MIO gerade stehen.

  • 50000 Transaktionen und dazu alles steuerlich zurückrechnen für eine Selbstanzeige. Dauert schon ein paar Tage bis man das richtig hat.
    Der Honeß hätte einfach seinen Wohnsitz verlegen sollen. Hätte er sich eine Menge Ärger erspart.

  • ich kenne Leute die haben viel weniger Geld als Hönes auf dem Konto, aber halt immer mehr als sie brauchen. Die gucken sich ihre Auszüge auch nicht an.
    Ich glaub dem Höneß, dass es so, per Telefon, abgelaufen ist und auch, dass er absolut keinen Überblick mehr hatte und hat.
    Er sollte nun kräftig nachzahlen, zusätzlich Zinsen und ne saftige Strafe - und gut ist. Gefängnis ist Quatsch, das nützt niemandem und schreckt nur andere ab von der Selbstanzeige.
    Wenn jemand zuviel Geld hat und nicht wirklich am Geld hängt, dann verliert er nun mal den Überblick - vielleicht hatte er gerade dadurch Glück und hat abgesahnt. Nun hat er Pech und muss zahlen. es bleibt sicher genug übrig für einen schönen Lebensabend.
    So what?

  • Stoiber ist nicht mehr "MP" des Freistaats. Er war doch früher in der Steuerverwaltung. Hat also jetzt nix mehr geholfen. Daher keine "Sorge", dass
    der Fall Hoeneß in die Amigo-Annalen eingeht. Sorge um Hoeneß' Leib und Seele sind angebracht. Das grenzt ja heute fast an Selbstvernichtung im Gerichtssaal.

  • @Mazi

    Zitat: "Haben Sie von Staatsanwaltschaft und Gericht derartiges schon gehört?“

    Nein. Die beiden sind dafür aber auch nicht zuständig.

    Dafür ist sein Verteidiger, Hanns W. Feigen, zuständig. Ich gehe mal davon aus, dass der das kann. Behauptet er wenigstens:

    “Praxisschwerpunkte: Verteidigung von Führungskräften in Wirtschafts- und Steuerstrafsachen (etwa Deutsche Bank – „CO2-Emissionshandel-Verfahren“ und „Kirch-Verfahren“, „Porsche-Verfahren“, Verteidigung Ulrich Hoeneß), Steuerung komplexer Ermittlungsverfahren für Unternehmen (z. B. Einsturz Kölner Stadtarchiv, „Oppenheim-Verfahren“, Schweizer Großbank wg. „Steuer-CD“).“

    Aber sicher fehlt ihm noch Ihre Expertise. Vielleicht könnten Sie ihm Ihre wertvolle Beratung (gegen ein entsprechendes Salär selbstverständlich) anbieten? Sicher wird er Sie mit Handkuss nehmen:

    frankfurt@feigen-graf.de

    Ich bin mir gewiss, in den nächsten Tagen werden wir aus den Medien von einer sensationellen Wendung im Hoeneß – Prozess erfahren .....

  • Im Beitrag heißt es:
    "Das sei alles auf Zuruf am Telefon gegangen mit dem Chef-Devisenhändler der Bank Vontobel, einem „sehr, sehr guten Freund“, wie Hoeneß sagt. „Jörg, wie ist der Kontostand?“ habe er seinen Freund gefragt - und dann seine Orders abgegeben."
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    Es überfordert meine Fantasie zu glauben, dass sich Hoeneß alleine auf die Expertise eines einzigen Anlageberaters verlassen hat. Wenn ich so viel Kohle investiere, dann halte ich mir einen ganzen Pulk von Beratern, denen ich einzeln sehr massiv auf den Zahn fühle, bevor ich mich auf deren Rat verlasse. Alleine dieser Fakt macht deutlich, wie sehr Hoeneß heute das Gericht verarscht hat. Oder sollte tatsächlich jemand glauben, dass Hoeneß so dumm, naiv und arglos gewesen ist, einem Berater so viel Geld anzuvertrauen?

  • das mit der unzurechnung habe ich auch schon vor augen

  • UH ist wohl wurstfabrikant. Dazu wird er noch die eine oder andere Mio spielgeld als provision bei spielertransfers geholt haben.
    Was ja die ganzen fussballspezialisten mit bierbauch und fahne nicht wissen, ist, dass die ganze grossen vereine eben Mio schulden machen um eben keine steurn zu bezahlen, sondern noch abschreiben. Der steuerzahlermichel bezahlt zum grossen teil die Mios von spielerkäufen und findet es, so sehe ich das , ganz toll. Die bekommen doch allen einen stei... wenn sie ein foto von sich und dem spieler erhaschen.

    Also was solls.

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