Prozessende
Angeklagter im Brunner-Prozess wegen Mordes verurteilt

Die Peiniger des Geschäftsmanns Dominik Brunner sind am Montag von der Jugendkammer des Münchner Landgerichts zu hohen Jugendstrafen verurteilt worden. Das Gericht blieb beim Strafmaß aber etwas unter der Forderung der Staatsanwaltschaft.
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HB MÜNCHEN. Im Prozess um den gewaltsamen Tod des Geschäftsmanns Dominik Brunner hat das Landgericht München lange Haftstrafen verhängt. Der Haupttäter, der damals 18-Jährige Markus S., wurde am Montag wegen Mordes aus niederen Beweggründen zu neun Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt, wie Richter Reinhold Baier bekanntgab. Sein Komplize Sebastian L. erhielt sieben Jahre Haftstrafe. Er war zur Tatzeit 17 Jahre alt. Er war der Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt.

Beide hatten Brunner vor knapp einem Jahr am Münchner S-Bahnhof Solln zu Tode geprügelt. Das 50-jährige Opfer hatte sich zuvor schützend vor eine Gruppe jüngerer Schüler gestellt, die von den Angeklagten bedroht und erpresst wurden. Der Fall hatte bundesweit für Bestürzung gesorgt. Brunner wurde für seine Zivilcourage posthum mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. In der Boulevardpresse wurde er als Held gefeiert.

Der 50-Jährige Brunner starb jedoch nicht direkt an den Verletzungen, die ihm die beiden Täter zugefügt hatten, sondern an einem Herzstillstand infolge der Schläge. Brunner hatte ein krankes Herz, ohne davon zu wissen. Der Manager hatte zu Beginn der tödlichen Schlägerei am Bahnsteig selbst den ersten Schlag gesetzt, offenbar um einen aus seiner Sicht drohenden Angriff abzuwehren.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil weitgehend der Anklage. Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre Haft - die Höchststrafe für Jugendliche - für S. und acht Jahre für L. beantragt. Die Verteidigung hatte Brunner dagegen eine Mitschuld an der Eskalation gegeben, weil dieser, wie erst im Verfahren deutlich wurde, am Bahnhof Solln als erster zuschlug. Zudem ergab die Hauptverhandlung als Todesursache einen Herzstillstand. Sein Herz war, wie er selbst nicht wusste, krankhaft vergrößert. Die Verteidigung hatte für S. eine Haftstrafe von unter sieben Jahren und für L. von drei Jahren und sechs Monaten gefordert.

Richter Baier sagte, S. und L. wollten sich dafür rächen, dass Brunner sich eingemischt und ihnen Grenzen aufgezeigt habe. Brunner habe mit dem ersten Schlag einen zu erwarteten Angriff der Verurteilten zuvorkommen wollen. Vor allem S. sei daraufhin mit großer Brutalität vorgegangen, habe unter anderem das Opfer mit einem Schlüssel verletzt. Mit den letzten Tritten gegen den wehrlos am Boden liegenden Brunner habe er den Tod billigend in Kauf genommen. L. habe dagegen am Ende Hemmungen bekommen und wollte S. zurückhalten. Beide seien nur mäßig alkoholisiert gewesen und daher voll schuldfähig.

Kommentare zu " Prozessende: Angeklagter im Brunner-Prozess wegen Mordes verurteilt"

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  • bisher ist an dieser Stelle kein Kind zu Tode getreten worden in Deutschland, jedoch bereits einige Obdachlose.

    Selbstverständlich ist dies eine wichtige Grundsatzfrage.

    Die von der Politik geforderte oder propagandierte Zivilcourage ist genau in dieser Situation extrem risikobelastet für alle beteiligten. Dafür ist die bevölkerung nicht ausgebildet worden, d.h. nicht, dass grundsätzlich Zivilcourage erforderlich und notwendig ist.

    Der Spruch: Angriff ist die beste Verteidigung war in diesem Fall, wie man sieht, nicht richtig.

  • ich denke, wir brauchen mehr Präsenz von Polizei und/oder privaten Sicherheitsdiensten in S-bahnen, besonders auf Problemstrecken und zu Problemzeiten. Hier im Rhein-Main-Gebiet funktioniert das recht gut, obwohl ich mir auch hier noch mehr Präsenz wünschen würde. Dann würden sich solche Situationen wie in Solln erst gar nicht ergeben.

    ich sehe auch nicht, dass man sich als Fahrgast aus irgendeiner moralinsauren Weltanschauung heraus in solchen Angelegenheiten einmischen "muss". Zivilcourage bedeutet aus meiner Sicht nicht, dass man sich selbst erheblich gefährdet, indem man in einer Situation, in der man im Grunde von vornherein wegen der heutigen immensen Gewaltbereitschaft und (auch versteckten) bewaffnung der Täter unterlegen ist, potenziell für eine weitere Eskalation sorgt.

    Und dass jemand der eingreift, praktisch immer zum Ziel wird, auch wenn es nicht immer so schlimm ausgeht, wie jetzt in Solln, kann man durchaus der regelmäßigen berichterstattung entnehmen.

    Wir brauchen mehr Präsenz von professionellen Sicherheitskräften! Der betreiber von öffentlichen Verkehrsmitteln muss dafür Sorge tragen. Es ist im Grunde ein Skandal, dass das nicht längst Standard ist, sondern dass stattdessen allenthalben von "Zivilcourage" schwadroniert wird ohne dass die Verantwortung der betreiber überhaupt zum Thema wird.

    Und ich bin bestimmt nicht der einzige, der dafür einen etwas höheren Fahrpreis in Kauf nehmen würde.

  • [1] Mariana Mayer, hätte, wenn!?
    Wäre brunner seines Weges gegangen, würde er noch leben und vielleicht wäre dann eine Kind zutode getreten worden.
    Das könnte fast einer allgemeinen Generallinie entsprechen.

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