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Prügelattacke auf Rostocker Bahnhof: Streit um Herrentagswagen endet tödlich

Nach dem tödlichen Prügelangriff auf einen Mann auf dem S-Bahnhof in Rostock-Warnemünde hat die Polizei drei Tatverdächtige festgenommen, zwei weitere werden gesucht. Der Grund für die Attacke war erschreckend banal.

Die Polizei in Rostock fahndet nach weiteren Tatverdächtigen der tödlichen Prügelattacke auf einen 45-jährigen Mann auf dem S-Bahnhof in Warnemünde. Quelle: dpa
Die Polizei in Rostock fahndet nach weiteren Tatverdächtigen der tödlichen Prügelattacke auf einen 45-jährigen Mann auf dem S-Bahnhof in Warnemünde. Quelle: dpa

RostockEin 45-jähriger Mann ist bei einer schweren Schlägerei zwischen zwei "Herrentagsgruppen" auf einem S-Bahnhof in Rostock ums Leben gekommen. Bereits kurz nach der Tat wurden am Donnerstagabend drei Verdächtigte festgenommen, wie der Leitende Oberstaatsanwalt in Rostock, Klaus Müller, am Freitag mitteilte. Als die Prügelei eigentlich schon vorbei war, soll einer der alkoholisierten Männer dem 45-Jährigen von hinten noch einen Schlag versetzt haben, so dass dieser mit dem Kopf gegen einen S-Bahnwagen geschlagen sei. "Es war ein Streit zwischen zwei "Herrentagsgruppen"", sagte Müller - aus nichtigem Anlass.

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Die entscheidenden Hinweise kamen laut Polizei von den Aufzeichnungen der Videokameras an den Bahnsteigen der Station Rostock-Warnemünde und von Zeugen. "Die Schlägerei ist auf dem Video deutlich zu sehen", sagte Müller. Der Anlass für den Streit sei nichtig gewesen: Die Gruppe des Opfers habe einen Bollerwagen gehabt, die andere Gruppe mit den Tatverdächtigen einen Einkaufswagen. Die Männer hätten darum gestritten, wer den schöneren Wagen hatte. Bei den Tatverdächtigen handele sich um Männer im Alter von 23, 24 und 29 Jahren, die sich in einem Laden in Warnemünde versteckt hätten und wenige Stunden nach dem Vorfall noch am Abend gefasst wurden.

Prügelattacken in Bus und Bahn

  • 28. April 2011

    Nach dem Überfall auf einen 21-Jährigen im Berliner U-Bahnhof Amrumer Straße sucht die Polizei mit Bildern aus Überwachungskameras nach drei jungen Schlägern. Zu sehen ist, wie die Männer völlig enthemmt auf den 21-Jährigen einschlagen und einer gegen den Kopf des am Boden Liegenden springt. Das Trio bestiehlt sein schwer verletztes Opfer und entkommt dann unerkannt.

  • 23. April 2011

    Im Berliner U-Bahnhof Friedrichstraße tritt ein 18-Jähriger auf den Kopf eines 29-Jährigen ein. Er stellt sich kurz nach der Tat, ebenso sein 18 Jahre alter Begleiter. Gegen den Haupttäter wird Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen, dem Komplizen wird gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt. Gegen Auflagen kommen beide bis zum Prozess auf freien Fuß.

  • Februar 2011

    Ein 30 Jahre alter Handwerker wird auf dem Berliner U-Bahnhof Lichtenberg von vier Jugendlichen zusammengeschlagen und liegt mit lebensgefährlichen Hirnverletzungen längere Zeit im Koma. Ein 14-Jähriger und drei 17-Jährige werden nach der Tat als Verdächtige festgenommen. Sie sitzen in Untersuchungshaft.

  • November 2010

    Nach einer belanglosen Auseinandersetzung in einem Nachtbus im westfälischen Münster prügeln drei junge Männer einen 30 Jahre alten Fahrgast auf einem nahe gelegenen Parkplatz fast zu Tode. Die 16, 17 und 19 Jahre alten Angreifer müssen sich seit dem 5. Mai 2011 wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten.

  • Mai 2010

    Tödliche Messerattacke auf einen 19-Jährigen im Hamburger S-Bahnhof Jungfernstieg: Eine Gruppe aus fünf Jugendlichen gerät mit dem späteren Opfer aus nichtigem Anlass in Streit. Ein 16 Jahre alter sogenannter Intensivtäter tötet den jungen Mann mit einem Stich ins Herz und wird dafür später zu sechs Jahren Haft verurteilt.

  • September 2009

    Der Geschäftsmann Dominik Brunner, der sich schützend vor vier Kinder stellt, wird in München am S-Bahnhof Solln von zwei Jugendlichen zusammengeschlagen und stirbt. Die Täter sind 17 und 18 Jahre alt. Der ältere wird im September 2010 zu neun Jahren und zehn Monaten Haft wegen Mordes verurteilt. Sein Komplize erhält sieben Jahre wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge.

"Das dies auf dem Bahnhof stattfindet, war reiner Zufall", erklärte der Oberstaatsanwalt. Die Gruppen hätten sich auch überall sonst streiten und schlagen können. Die mutmaßlichen Schläger flohen nach der tödlichen Attacke. Nach der Festnahme der drei Männer werde noch nach zwei weiteren Verdächtigen aus der Gruppe der Prügler gefahndet. Eine Parallele zu anderen Fällen, wie den Übergriff auf Dominik Brunner in München, sieht Müller diesmal nicht. Allerdings hatten in den vergangenen Wochen immer wieder brutale Attacken in U- und S-Bahnhöfen - vor allem in Berlin - für Aufsehen gesorgt.

Das Opfer, das aus dem benachbarten Kreis Bad Doberan stammt, war von einem Notarzt zunächst wiederbelebt worden, später an den schweren Verletzungen auf dem Weg in eine Klinik aber gestorben. Die Verdächtigen konnten wegen Trunkenheit erst am Freitag vernommen werden. Danach sollte entschieden werden, ob gegen alle drei Haftbefehle beantragt werden. Das Video dokumentiere große Teile der Gewalttat. Einer der Männer soll "besonders massiv gegen den Geschädigten vorgegangen sein". Weitere Erkenntnisse erhoffe man sich von der Obduktion des Toten, die für Montag geplant sei.


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