Prügelvorwürfe
Gericht verbietet Sekte den Schulbetrieb

Jahrelang hatte die Sekte „Zwölf Stämme“ eine eigene Schule. Dann wurde der wegen Prügelvorwürfen im Fokus stehenden Glaubensgemeinschaft der Betrieb verboten. Ein Gericht gab den Schulbehörden nun Recht.
  • 0

Augsburg/DeinigenDie umstrittene Sekte „Zwölf Stämme“ darf keine eigene Schule mehr betreiben. Ein Verein der Sekte, der seit dem Jahr 2006 eine sogenannte Ergänzungsschule in Eigenverantwortung führte, verlor nun einen Prozess vor dem Verwaltungsgericht Augsburg. Das Verbot der Regierung von Schwaben zum Weiterbetrieb der Schule sei rechtmäßig, da die Schule über keine ausgebildete Lehrkraft mehr verfüge, teilte das Gericht am Freitag mit.

Das bayerische Kultusministerium hatte den „Zwölf Stämmen“ im Sommer 2013 die Genehmigung zum Betrieb der Schule in Klosterzimmern bei Deiningen entzogen. Die Sekte, die früher ihre rund 20 schulpflichtigen Jungen und Mädchen selbst unterrichten ließ, hatte daraufhin einen neuen Antrag gestellt. Mehrere Jahre hatte die Glaubensgemeinschaft eine eigene Schule gehabt. Hintergrund war, dass sich die Eltern der Sekte weigerten, ihre Kinder auf staatliche Schulen zu schicken.

Später wurden mehrere Dutzend Kinder in Schwaben und Mittelfranken von den Behörden wegen Prügelvorwürfen aus der Gemeinschaft geholt. In den meisten Fällen wurde von den Gerichten der vorläufige Entzug des Sorgerechts bestätigt. Die Verfahren laufen allerdings weiterhin bei den Familiengerichten in Nördlingen und Ansbach.

Das Verwaltungsgericht begründete nun das Schulverbot ebenfalls teilweise mit körperlichen Züchtigungen der Kinder. Da sich die Glaubensgemeinschaft darauf berufe, die Bibel gebiete ihnen, die Kinder mit Ruten zu züchtigen, sei davon auszugehen, dass dieses „Gebot“ vor den Türen der Unterrichtsräume nicht haltmache, erklärte ein Gerichtssprecher.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Prügelvorwürfe: Gericht verbietet Sekte den Schulbetrieb"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%