Psychopharmaka
Zwei Millionen Menschen dopen am Arbeitsplatz

Zwei Millionen Menschen in Deutschland haben ihrer Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz bereits einmal mit Psychopharmaka nachgeholfen. Knapp die Hälfte davon nimmt stimmungsaufhellende oder leistungssteigernde Medikamente gezielt und regelmäßig als Doping.

HB BERLIN. Mit der vermehrten Einnahme von Psychopharmaka geht nach einer Studie der Krankenkasse DAK der überproportionale Anstieg psychischer Krankheiten in den vergangenen zehn Jahren einher. Ihr Anteil am Krankenstand stieg von 6,6 auf 10,6 Prozent. "Insbesondere chronischer Stress in der modernen Arbeitswelt ist ein ernsthafter Risikofaktor für seelische Krankheiten", sagte DAK-Chef Herbert Rebscher. Der Krankenstand im Jahr 2008 blieb insgesamt auf einem niedrigen Niveau. Er stieg von 3,2 im Vorjahr geringfügig auf 3,3 Prozent.

Fünf Prozent der Beschäftigten haben als Gesunde schon einmal mit leistungsstärkenden Mitteln nachgeholfen. Von diesen zwei Millionen "dopen" 800 000 Menschen laut DAK regelmäßig, um am Arbeitsplatz leistungsfähig zu sein. Vier von zehn nehmen die Medikamente täglich bis mehrmals wöchentlich ein. Dabei neigen Männer eher zu aufputschenden und konzentrationsfördernden Präparaten, Frauen bevorzugen beruhigende Mittel gegen depressive Verstimmung oder Ängste. "Männer frisieren ihr Leistungspotenzial - Frauen polieren ihre Stimmungen auf", sagte Rebscher.

Zu den Medikamenten, mit denen vorzugsweise gedopt wird, gehören Antidepressiva, Mittel gegen Demenz und gegen Aufmerksamkeitsstörungen. Am auffälligsten sei die nicht bestimmungsgemäße Verordnung des Wirkstoffes Piracetam, das gegen hirnorganisch bedingte Leistungsstörungen wie Demenz wirkt, heißt es.

Methylphenidat gegen das "Zappelphilipp-Syndrom" (ADHS) wird ebenso ohne entsprechende Diagnose zur Konzentrationssteigerung eingesetzt wie die Psychostimulanzien Modafinil und Fluoxetin. Auch der Betablocker Metoprolol wird nicht nur gegen Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder Migräne verwendet, wie es der Beipackzettel empfiehlt.

Die Studie ergab weiter, dass Beschäftigte mit hohem Stresspotenzial, einem unsicheren Arbeitsplatz oder starker Konkurrenz Doping im Job für vertretbarer halten als Arbeitnehmer mit weniger Leistungsdruck. Die Krankenkasse warnte vor langfristigem Nebenwirkungs- und Suchtpotenzial. Kurzfristige Nebenwirkungen sind unter anderem Kopfschmerzen, Übelkeit, Anstieg des Blutdrucks und Gewichtsabnahme.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%