Queen Elizabeth II: Bis zum letzten Atemzug

Queen Elizabeth II
Bis zum letzten Atemzug

Queen Elizabeth wird nicht abdanken. Der Wunsch vieler Briten nach einem jugendlichen Königspaar wird unerfüllt bleiben. Auch wenn sie nichts lieber sehen würden, als eine „Queen Catherine“.
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LondonIn Großbritannien wird Prinz Charles wohl mit verstohlenem Neid auf Prinz Willem-Alexander blicken, der nun in der Blüte seiner Jahre den Thron besteigen darf. Charles ist schon länger Thronfolger als irgendeiner seiner Vorfahren in 1000 Jahren Throngeschichte. Er wurde der Nachfolger 1952 im zarten Alter von drei Jahren, als die Queen als junge Frau den Thron bestieg. Nun ist er 64, bald im Rentenalter, und macht Witze über sein Leben im Wartestand. Als ihn jüngst jemand fragte, ob er nicht allmählich ungeduldig werde, scherzte er: „Ungeduldig? Ich? Was für ein Gedanke“ und fügte ernst hinzu: „Aber natürlich, die Zeit läuft mir davon.“

In Wahrheit weiß keiner besser als Charles, dass das Amt des Königs bis zum Tode währt. Wenigstens in Großbritannien. Abdankung, Pensionierung, Rückzug ins Privatleben, Altersgrenze - für Elizabeth II kommt das nicht in Frage, auch wenn sie nun 86 Jahre ist. Kein Wort ist in ihrem Vokabular wichtiger als das Wort „duty“ – Pflicht. In der kurzen, aber wichtigen Ansprache, die sie bei ihrem Thronjubiläum 2012 im Parlament hielt, kramte sie statt des Wortes „abdicate“ für Abdanken das Wort „rededicate“ aus dem Vokabular und erneuerte praktisch ihre Throngelübde: „Mit der Unterstützung meiner Familie widme ich mich von neuem dem Dienst an unserem großen Lande und seinen Menschen – heute und in den Jahren, die noch kommen werden“.

Als sei das nicht deutlich genug, unterstrich Premier David Cameron in einem Interview mit der BBC: „Die Queen wird nie abdanken, das kommt nicht in Frage“. Der Premier, der einmal wöchentlich Audienz bei der Queen hat, dürfte also Bescheid wissen. Sie suggerierte ihm, dass Sie ihr Amt bis zum letzten Atemzug ausüben wird: „Man hat das Gefühl, als würde sie die erstaunliche Arbeit, die sie für ihr Land leistet, weiter machen so lange wie sie es nur kann.“

Für britische Monarchen gelten eben andere Regeln. Nur einmal dankte einer in 1000 Jahren ab und stürzte die Monarchie und das Land in eine Krise: Edward VIII. im Jahre 1936 – aus schierem, verantwortungslosem Egoismus, wie die königliche Familie bis heute glaubt. Edward wollte die Amerikanerin Wallis Simpson heiraten, eine Geschiedene, was ihm als Oberhaupt der anglikanischen Kirche nicht erlaubt war. Alle anderen hielten bis zum letzten Atemzug auf dem Thron aus. Ob sie in der Schlacht fielen wie Richard III., geköpft wurden wie Charles I. oder geistig mehr oder weniger umnachtet und entmündigt starben wie George III. – man ist König aus Gottes Gnaden und der Mensch darf daran nicht rütteln. Allenfalls könnte ein Monarch durch einen „Prinzregenten“ stellvertretend begleitet werden, wie 1811 der als wahnsinnig geltende Georg III. Wenn die Queen einmal schwach wird, wird Prinz Charles ihr mehr und mehr Pflichten abnehmen – gekrönt wird er erst nach ihrem Tod.

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Bis zum letzten Atemzug

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Drei Erben in der Schlange

Kommentare zu "Bis zum letzten Atemzug"

Alle Kommentare
  • Faszinierend, wie viele Oberlehrer es hier am Wochenende gibt, die anderen Menschen und anderen Ländern vorschreiben wollen, was sie zu tun, zu lassen und zu denken haben.

    Die Amis sollten das, die Isrealis sollten jenes, der blöde Nachbarn könnte endlich mal, und erst die doofen Kollegen! Und meinen Chef, ha!! Wenn der wüßte, was ich weiß.

  • Die Briten merken einfach nicht, dass sich seit 1945 die Zeiten verändert haben und träumen weiter von ihren vergangenen monarchischen Glanzzeiten und Seemachtsvorrangstellung des 19. Jahrhunderts, von Ihren gewonnenen beiden Weltkriegen und von ihrem britischen Kolonialreich.

    ABER selbst 1945 ist mittlerweile fast 70 Jahre her und weder gibt es noch ein britisches Kolonialweltreich noch hat das Vereinigte Königreich eine wirtschaftliche Vorrangstellung, da wurde es längst von USA, China, Deutschland und Japan überholt.

    Auch hat der Thatcherismus der 1980er dem Industriesektor des Vereinigten Königreichs sehr geschadet. Wo sind die Briten denn heute noch stark ? Ausser mit ihrem krisengeschüttelten Finanzplatz London...

    Viele Markenprodukte, die aus England auf den europäischen Markt kommen, gibt es nicht.

    Und weil die Gegenwart für das Vereinigte Königreich weniger glanzvoll ist, wird so massiv am Königshaus festgehalten, um sich an vergangene Zeiten zu erinnern.

    Dabei liegt die Zukunft des Vereinigten Königreiches in Europa, aber das wollen die Briten immer noch nicht gerne wahrhaben.

  • Sie haben vollkommen recht! Dieses ganze royale Gedöns passt ganz einfach nicht mehr in die heutigen Zeit. Schlimm genug, wenn uns die Medien damit noch volldrühnen und dafür Sendezeit opfern bzw. das Papier auf Zeitungen/Zeitschriften! Wir haben hierzulande ganz andere Probleme.

  • Kehre die Aufmerksamkeit um...

    Das Schlüsselelement zur Kontrolle der Gesellschaft ist es die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf Ereignisse umzulenken, damit man von wichtigen Informationen über tatsächliche Änderungen durch die politischen und wirtschaftlichen Führungsorgane auf unwesentliche Nachrichten ablenkt, der Technik des stetigen PräsentSein. Jene Strategie ist der Grundstein, der das Basisinteresse aus den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Psychologie, Neurobiologie und Cybernetik verhindert. Somit kehrt die öffentliche Meinung den wirklichen gesellschaftlichen Problemen den Rücken zu, berieselt und abgelenkt durch unwichtige Angelegenheiten. Schaffe es, dass die Gesellschaft beschäftigt ist, beschäftige sie, beschäftige sie so, damit sie keine Zeit hat über etwas nachzudenken, entsprechend auf dem Level eines Tieres.

    Noam Chomsky - "10 Strategien der Manipulation"

  • Das ist typisch britisch. Sie haben auch alle Wirtschaftskrieg bis zum letzten Atemzug geführt um die englische Macht zu erhalten.Doch seit 45 haben die Engländer alles verloren und leben in Ihren Träumen weiter.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Die kennt ihren Sohn wohl auch zu gut.

  • Hätten wir doch eine Elizabeth - aber wir wurden ja mit Gauck gestraft

  • Ach wie schön...wir haben ja keine anderen Probleme in D als uns um die Monarchie zu kümmern! Oder wollen wir diese wieder einführen. Wo die D sich doch nach einem Füher sehnen...

    Wie verkommen Journalismus sein kann, beweist dieser Artikel. In der Welt stirbt ale 5 Sec ein Kind an Hunger...und die Deutschen Untertanen lassen die Könige aufleben. Und zwar sogar ihre eigenen Kaiser aus dem Preussentum! Ja, die Finanzoligarchie ist auch bestens dabei wieder das Mittelalter mit all der Grausamkeit zu installieren. Mittels Kultur wird hier wieder auf Bultvergiessen, Gewalt, Rassismus gegen Frauen usw. auf den zukünftigen Faschismus vorbereitet. Es gibt Gottsei Dank noch junge intelligente Menschen, die das rekannt haben!

    http://www.freitag.de/autoren/danielm2601/der-dschungel-frisst-die-gesellschaft

    Was für eine herunter gekommene Gesellschaft das nur ist!!! Mich ekelt das an! Im 21. Jahrh. noch immer den Adel, die Könige aufleben zu lassen, zeigt wie geisteskrank die Menschen doch in Wirklichkeit sind!

  • Der listige Plan des Herrn Flynn, die Monarchie in England „zukunftssicher“ zu machen durch die Zulassung einer Schwulenehe für den Thronfolger, wird hier auf dem Kontinent vermutlich mit einem Augenzwinkern gesehen. Der Parlamentarier schlägt in einem Gesetzesantrag vor, der Thronfolger würde dann à la Elton John mit künstlicher Befruchtung und Leihmutter geboren.

    Aber Spaß beiseite: das letzte was die ehemalige Weltmacht verlieren kann, ist seine Würde. Und mit Charles als König, käme sie diesem Zustand mehrere Schritte näher. Das weiß die Queen.

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