Radioaktive Strahlung: Grundwasser in Fukushima verseucht

Radioaktive Strahlung
Grundwasser in Fukushima verseucht

Die Strahlengrenzwerte um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima erreichen neue Rekordwerte. Die japanische Regierung will laut einem Medienbericht die Kontrolle über die Betreiberfirma übernehmen.
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TokioDie japanische Regierung will einem Zeitungsbericht zufolge die Kontrolle über den Betreiber des Katastrophen-AKW Fukushima übernehmen und bereitet hierzu eine Geldspritze vor. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass die Regierung dabei einen Anteil von mehr als 50 Prozent an Tokyo Electric Power erwerbe, hieß es in einem Bericht der Zeitung „Mainichi“ am Freitag.

Der Konzern ist seit dem Unglück wegen eines Mangels an Führung und diverser Fehler heftig unter Beschuss geraten. Auf Tepco könnten Schadenersatzforderungen in mehrstelliger Milliardenhöhe zukommen. Der Börsenwert des Versorgers ist seit dem Unglück um rund 80 Prozent gefallen.

Tags zuvor lehnte Japans Regierung trotz eindringlicher Appelle und neuer Strahlenfunde eine Ausweitung der Sperrzone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima ab. Dazu bestehe im Moment keine Notwendigkeit, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Donnerstag. Die Lage werde von Tag zu Tag neu bewertet. Die Radioaktivität im Meerwasser vor dem AKW stieg erneut auf einen Rekordwert. Zudem fanden Wissenschaftler in Rindfleisch aus der Region Spuren von hochradioaktivem Cäsium, das im Gegensatz zu Jod-Verbindungen auch nach mehr als 200 Jahren gefährlich ist. Das Grundwasser auf dem AKW-Gelände ist mittlerweile ebenfalls radioaktiv verseucht. 

Als erster ausländischer Staatschef seit Beginn der Katastrophe besuchte der französische Präsident Nicolas Sarkozy Japan und bot dem Land Hilfe an. Zugleich verteidigte Sarkozy die Kernenergie und forderte einheitliche Sicherheitsstandards für Atomkraftwerke weltweit. Als Zeichen der Solidarität will auch Außenminister Guido Westerwelle Tokio am Samstag besuchen. 

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert eine Ausweitung der Sperrzone auf 40 Kilometer, um die Bevölkerung vor Strahlen zu schützen. Nach der UN-Atomenergiebehörde (IAEA) empfahl auch die japanische Nuklearaufsicht der Regierung, eine Ausweitung der Evakuierungszone zu erwägen. Um das AKW gilt bislang eine Sperrzone von 20 Kilometern, wovon mehr als 70.000 Menschen betroffen sind. In einem Umkreis von weiteren zehn Kilometern wird den Einwohnern empfohlen, das Gebiet freiwillig zu verlassen oder sich zumindest nicht im Freien aufzuhalten. 

Nach IAEA-Angaben wurden aber auch in einem Dorf 40 Kilometer von Fukushima entfernt hohe Strahlungswerte gemessen. 

Würde die Sperrzone um nur zehn Kilometer erweitert, müssten 136.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden, was die Behörden vor eine logistische Herausforderung stellen dürfte. Auch deshalb warnt die Regierung vor Überreaktionen. Wegen der als zu zögerlich empfundenen Krisenpolitik gerät Ministerpräsident Naoto Kan innenpolitisch aber nun immer stärker unter Druck. 

Im Meer vor dem AKW stieg die Konzentration von radioaktiven Jod-Partikeln weiter und lag 4385-fach über dem Grenzwert. Die hohen Werte könnten bedeuten, dass ständig Radioaktivität aus dem Reaktor entweiche, warnte die japanische Atombehörde. Es sei jedoch unklar, wo sich das Leck befinde.

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