Ralph Siegel
„Mr. Grand Prix“ feiert 70. Geburtstag

Tausende Lieder hat Ralph Siegel in seinem Leben geschrieben, eins davon gewann 1982 den Grand Prix. Diesem Erfolg jagte der Komponist lange hinterher. Der Wettbewerb wurde für ihn zur Sucht. Heute wird er 70 Jahre alt.

MünchenIn der Biografie, die Ralph Siegel gerade auf den Markt gebracht hat, fällt der Begriff gefühlt auf mindestens jeder fünften Seite: Grand Prix. Der Liederwettbewerb, der heute Eurovision Song Contest heißt, hat das Leben des Komponisten jahrzehntelang bestimmt. An diesem Mittwoch wird Siegel 70 Jahre alt. In seinem Buch schreibt er: „Die Grand-Prix-Medaille für „Ein bisschen Frieden“ ist immer noch eine meiner schönsten.“

Dutzende Male schrieb Siegel Songs für den Grand Prix, trat in unzähligen Vorentscheiden nicht nur in Deutschland an. Nur einmal schaffte er es auf Platz eins: 1982 mit der damals noch weitgehend unbekannten 17-jährigen Nicole und „Ein bisschen Frieden“. Das machte die Sängerin und den gebürtigen Münchner lange Zeit zu den einzigen Deutschen im Olymp des Wettbewerbs.

Die Zeiten sind längst vorbei. Für junge Leute ist der ESC heute Stefan Raab, Lena Meyer-Landrut, vielleicht noch Guildo Horn - aber eben schon lange nicht mehr Ralph Siegel. Dass ihm diese Entwicklung wehgetan hat, daraus machte der Komponist keinen Hehl. Nach Lenas Sieg sagte er der „Bild am Sonntag“: „Nettes Mädchen, das beweist, dass man auch mit einer kleinen Stimme den Grand Prix gewinnen kann.“

Wie schwer es ihm fiel zu akzeptieren, dass er im deutschen ESC-Geschäft nur noch eine untergeordnete Rolle spielte, zeigt, dass er - trotz angeblich „kleiner Stimme“ - damals ein Lied für Lena geschrieben hat, wie er 2011 sagte. „Aber das wurde - wie alles, was ich mache - bei Raab immer abgelehnt“. Das Lied hieß „I'll Follow the Sunshine“ - „Ich werde dem Sonnenschein folgen.“

Bei der Vorgeschichte ist überraschend, wie freundlich Siegel in seiner Biografie mit Raab umgeht: „Irgendwann tauchte Stefan Raab auf, der damals schon bei VIVA und TV Total mehr als bewies, „Hans Dampf in allen Gassen“ zu sein“, schreibt er auf Seite 357. Was folgt, ist eine knappe Zusammenfassung von Raabs Karriere - kleine Lobhudeleien inklusive. „Die Power, mit der er jeden Abend „TV Total“ moderierte, war unglaublich.“

Über Guildo Horn, „Alf Igel“, Raabs gezielte Provokation und die Medien, die damals begeistert auf die Geschichte aufsprangen, schreibt Siegel schlicht: „So wahnsinnig komisch fand ich in diesem Moment das gesamte Schauspiel ehrlich gesagt nicht.“ Und: „Deutschland war in Stefans Hand, und so suchte ich neue Wege.“ Dann beschreibt er, wie er für Malta in die ESC-Schlacht zog.

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Warum Siegel sich Sorgen um den Nachwuchs macht

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