Raser fühlte sich während des Prozesses von Medien "gehetzt"
Angeklagter im „Raserprozess“ bestreitet Vorwürfe

Im Berufungsprozess gegen den Karlsruher „Autobahnraser“ hat der Angeklagte bestritten, für einen Unfall mit zwei Toten verantwortlich zu sein. Weder habe er ein Auto zum Fahrbahnwechsel genötigt, noch sei er zu dicht aufgefahren, sagte der 35-jährige Daimler-Chrysler-Ingenieur am Dienstag vor dem Landgericht Karlsruhe.

HB KARLSRUHE. Der Vorsitzende Richter hatte ihm zuvor nahe gelegt, über die Möglichkeit eines Geständnisses nachzudenken. Im Gegenzug könnte eine Strafe auf Bewährung ausgesetzt werden, sagte der Richter. Das Gericht verhandelt über die Berufung des Mannes gegen ein Urteil des Amtsgerichts Karlsruhe. Dieses hatte den Angeklagten im Februar in einem Aufsehen erregenden Verfahren wegen fahrlässiger Tötung zu eineinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt.

Demnach war der Mann am 14. Juli 2003 mit einem 500 PS starken Mercedes CL 600 Coupé so dicht auf den Kleinwagen einer 21-jährigen Frau aufgefahren, dass diese das Steuer verriss. Der Wagen prallte gegen Bäume. Die Mutter und ihre zweijährige Tochter waren sofort tot. „So tragisch der Unfall ist, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen - ich kann mir wirklich nichts vorwerfen“, sagte der 35-Jährige zum Auftakt der Berufungsverhandlung.

Mit tränenerstickter Stimme schilderte er, wie er in den vergangenen Monaten von Medienvertretern verfolgt worden sei. „Das war die Hölle“, sagte er. „Wir konnten unser Haus nur nachts verlassen. Tagsüber haben wir uns versteckt gehalten.“ Nach Angaben von Daimler-Chrysler scheidet der Mitarbeiter Ende Juli aus dem Unternehmen aus.

Der Angeklagte hatte bereits in erster Instanz eine Verwicklung in den Unfall abgestritten. Sein Verteidiger Georg Prasser will einen Freispruch erreichen. Er werde den Unfallhergang minutiös rekonstruieren lassen und Widersprüche der Zeugen aufdecken, kündigte er an. Eine Weg-Zeit-Berechnung habe ergeben, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt des Unfalls nicht am Tatort sein konnte. In nur 31 Minuten sei die Strecke vom DaimlerChrysler-Werk in Sindelfingen bis zur Autobahn 5 zwischen Karlsruhe und Bruchsal kaum zu schaffen.

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