Rassismus-Debatte
Darf der Peter schwarz sein?

Der „Zwarte Piet“ erregt seit einigen Jahren die Gemüter in den Niederlanden. Der schwarze Helfer des Nikolaus' wird von Kritikern als Symbol für Rassismus betrachtet. Aber wird seine Hilfe überhaupt noch gebraucht?

AmsterdamMuss der Nikolaus in den Niederlanden in diesem Jahr allein die Geschenke verteilen? Das Dampfschiff mit Sinterklaas an Bord legt zwar erst am kommenden Wochenende im historischen Hafen von Maassluis an, das Land diskutiert aber bereits seit Wochen, ob sein Helfer, der Schwarze Peter, dabei sein darf. Denn der „Zwarte Piet“ wird häufig von weißen Darstellern mit schwarz geschminkten Gesichtern und Afro-Perücke gespielt.

Kritiker sehen im Schwarzen Peter eine veraltete und beleidigende Karikatur aus der Zeit der Sklaverei, während die Mehrheit der Niederländer Peter als harmlose Figur betrachtet, an der Kinder Spaß haben. Sie verweisen auf Tradition und Kultur, die sie sich nicht nehmen lassen wollen. Schließlich ist Sinterklaas am 5. Dezember den meisten der 17 Millionen Einwohner wichtiger als Weihnachten.

Die Tradition verändern wollte bereits am vergangenen Wochenende ein „Neuer Sint“, wie er sich nannte. Der schwarze Schauspieler mit Dreadlocks unter der goldumrandeten roten Mitra fuhr begleitet von Breakdancern und einer Blaskapelle mit der U-Bahn vom Amsterdamer Rathaus in einen hauptsächlich von Einwanderern bewohnten Stadtteil. Unterwegs verschenkte er rote und weiße Rosen und tanzte mit Passanten und Mitfahrern.

„Ich finde es toll zusammenzukommen und zu zeigen, dass man auch ohne diese Figur mit ihren negativen Elementen aus der Sklaverei ein Fest feiern kann“, sagte Miguel Heilbron, der mit seinen beiden Kindern den neuen Sinterklaas bewunderte. Helfer des neuen Nikolaus' trugen T-Shirts mit der Aufschrift „Sinterklaas ohne Helfer“ und verteilten Obst und Kekse an Groß und Klein.

Der Schwarze Peter beschäftigt unterdessen auch die Politik und könnte sogar die für März geplante Parlamentswahl beeinflussen. Der Vorsitzende der regierenden Volkspartei warf dem Fernsehsender RTL vor, die Sinterklaas-Feiern zu sabotieren. Der Sender ersetzte in seinem Programm den Schwarzen Peter durch einen Kaminkehrer-Peter, der ein rußgeschwärztes Gesicht hat.

Das gefällt den Traditionalisten - also der Mehrheit der Bevölkerung – gar nicht. „Für mich muss der Schwarze Peter schwarz bleiben“, erklärt Anneke Krowinkel, als der neue Sinterklaas in Amsterdam an ihr vorbeiging. „Das ist unsere Kultur.“ Die Figur sei für Kinder gedacht und habe nichts mit Diskriminierung zu tun.

In einem Versuch, die Debatte zu beruhigen, traf sich der stellvertretende Ministerpräsident Lodewijk Asscher von der Partei der Arbeit schon im vergangenen Monat mit Kritikern und Anhängern des Schwarzen Peter. In einer gemeinsamen Stellungnahme riefen die Gruppen anschließend zu einem respektvollen Dialog ohne Drohungen und Gewalt auf.

Zum Streit um den Helfer des Nikolaus' äußerten sich auch schon die Vereinten Nationen. Deren Ausschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung forderte die Niederlande im vergangenen Jahr zum Handeln auf. Die Regierung solle sich dafür einsetzen, die Eigenschaften des Schwarzen Peters zu entfernen, die negative Stereotype widerspiegelten, erklärte der Ausschuss. Und der niederländische nationale Ombudsmann für Kinder warnte, der Schwarze Peter könne Mobbing und Diskriminierung fördern und verstoße gegen die UN-Kinderrechtskonvention.

Ungeachtet aller Kritik und Rufe nach Veränderung will sich der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte nicht in die Debatte einschalten. Es sei nicht Sache der Regierung, über das Aussehen des Schwarzen Peters zu entscheiden, sagte er zur Begründung.

Andere wollen dagegen nicht schweigen. Sowohl Mitglieder einer Organisation namens „Werft den Schwarzen Peter raus“ und Anhänger der rechtsgerichteten Niederländischen Volksunion haben für Samstag Demonstrationen in Maassluis angekündigt. Im vergangenen Jahr ging Sinterklaas in der Stadt Gouda an Land, wo die Polizei mehrere demonstrierende Kritiker des Schwarzen Peters festnahm.

Die Ankunft in Maassluis wird live vom staatlichen Fernsehsender NTR übertragen. Dort läuft auch das abendliche „Sinterklaasjournal“ mit Nachrichten von den täglichen Unternehmungen des Nikolaus' bis zum 5. Dezember.

Amsterdam feiert am kommenden Wochenende seine eigene Ankunft des Sinterklaas'. Dabei folgt die Stadt dem Beispiel von RTL und setzt auf den Kamin-Peter mit den rußgeschwärzten Wangen, der den Kindern die Geschenke durch den Schornstein bringt. Amsterdam will den Schwarzen Peter langsam weiterentwickeln und ersetzt die Figur mit dem schwarzen Gesicht nach und nach durch Figuren mit anderen Hautfarben.

Der neue Sinterklaas hatte am vergangenen Wochenende keinen Peter dabei. „Wenn man sich dieses Fest ansieht, dann sieht man nur Heilige, also ist das für mich die Nikolausfeier“, sagte der Neue Sint, Patrick Mathurin. „Man sieht nur glückliche Menschen. Menschen aller Hautfarben mit einer positiven Botschaft.“

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
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