Rassismus-Verdacht in Südafrika
Schule zwang Mädchen, krauses Haar mit Chemikalien zu glätten

Bis zum Ende der Apartheid hatte ein Mädchen-Gymnasium in Pretoria nur weiße Schülerinnen aufgenommen. Einige Regeln scheinen es aber noch immer nicht in die Neuzeit geschafft zu haben, wie ein aktueller Fall zeigt.

JohannesburgEine Mädchenschule in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria steht wegen strenger Vorschriften für die Frisuren ihrer Schülerinnen unter Rassismus-Verdacht. Die Mädchen an der Pretoria High School for Girls beklagten, die Schulleitung habe sie gezwungen, krauses Haar mit Chemikalien zu glätten. Offen getragene Afro-Haare seien an der Schule als unordentlich verpönt. Am Wochenende protestierten Schülerinnen mit Afro- und Flechtfrisuren vor der Schule gegen Diskriminierung.

Politiker bekundeten am Montag ihr Entsetzen. „Meine Tochter hat einen Afro. Würde sie an der Mädchenschule von Pretoria aufgenommen werden?“, schrieb der Vorsitzende der Oppositionspartei Democratic Alilance, Mmusi Maimane, im Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Der Bildungsminister der Provinz Gauteng, Panyanza Lesufi, besuchte am Montag die staatliche Schule, um mit Lehrern und Schülerinnen zu sprechen. Er wolle verhindern, dass die Lage außer Kontrolle gerate, sagte er vor Journalisten. Auf Facebook erhielt eine am Freitag gestartete Petition gegen die Vorschriften der Schule bis zum Montag mehr als 10.000 Unterstützer.

Auch mehr als 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid ist Rassismus in Südafrika noch weit verbreitet. Das prestigeträchtige Mädchen-Gymnasium in Pretoria hatte bis zum Ende der Apartheid 1994 nur weiße Schülerinnen aufgenommen, inzwischen besuchen aber auch Schwarze die Schule. In sozialen Netzwerken beklagten einige schwarze Schülerinnen neben den Frisuren-Regeln, dass sie an der Schule nicht in ihren Volkssprachen miteinander reden dürften.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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