Ratzinger feiert Weihnachten
Benedikt XVI. hat eigenen Stil gefunden

In seinem ersten Weihnachtsfest als Papst hat Benedikt XVI. Hoffnungsschimmer für Friedenslösungen in vielen Konflikten der Welt gewürdigt. Der frühere Kardinal Joseph Ratzinger setzte zudem die Tradition seines Vorgängers Johannes Paul II. fort und verband den Segen „Urbi et Orbi“ mit einer Analyse der Weltlage.

HB ROM. Der Mann mit dem silbergrauen Haar strahlt milde, 40 000 Menschen jubeln auf dem Petersplatz. Ob er sich erinnert? Vor acht Monaten war Jospeh Ratzinger schon einmal auf die Mittelloggia des Petersdoms getreten, von der aus ausschließlich Päpste sprechen dürfen. Das Lächeln war damals zurückhaltender, die Bewegungen noch unsicher, schließlich war es keine halbe Stunde her, dass der Mann aus Bayern zum Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gewählt worden war. Von der anfänglichen Schüchternheit ist heute nichts mehr zu spüren. Auch dies ist Teil der diesjährigen Weihnachtsbotschaft: Papst Benedikt XVI. hat seinen eigenen Stil gefunden.

Bemerkenswert: Monatelang hatte Benedikt in fast jeder Rede seinen großen Vorgänger Johannes Paul II. erwähnt, dessen Verdienste ausführlich gewürdigt. Ausgerechnet in seiner Weihnachtsbotschaft tut er das nicht. Auch sonst signalisiert Ratzinger den Willen, sich abzusetzen: Penibel zählte das italienische Fernsehen auf, der Deutsche habe die Weihnachtswünsche „nur“ in 32 Sprachen gelesen, wobei doch der alte, schwache Vorgänger sich vor einem Jahr noch durch 62 Sprachen gequält habe. Mitunter markiert auch Nebensächliches, dass nun Neuland betreten wird.

Überhaupt, wie unterschiedlich die Bilder sind: Weihnachten vor einem Jahr, im Grunde war es ein Anblick des Jammers. Kaum zu verstehen war die von der Parkinson-Krankheit geschwächte Stimme des alten Polen, die Hinfälligkeit des Mannes ließ die Botschaft des Christfestes beinahe in den Hintergrund treten. Heute steht ein gesunder, ein wacher Mann auf der Mittelloggia, sprachgewaltig.

Theologisch bestechend ist seine Rede - das Glaubensvolk ist dankbar, brav spendet es Beifall, doch die Begeisterung wirkt kontrolliert, gebremst. Als Ratzinger zur Mitternachtsmesse in den Petersdom trat, blieb es still; vor einem Jahr brandete hier langer Applaus auf. „Benedikt will sich als Person zurücknehmen.“ Theologen im Vatikan werden nicht müde, den Satz zu wiederholen. Er wolle nicht im Mittelpunkt stehen, „auf die Sache kommt es ihm an“.

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