Ratzingers erste Predigt als Benedikt XVI.
Papst will für Einheit der Christen kämpfen

Die Einheit der Christenheit hat der neue Papst Benedikt XVI. einen Tag nach seiner Wahl als wichtigstes Ziel seines Pontifikats ausgegeben. In seiner ersten Predigt am Mittwoch in der Sixtinischen Kapelle - nur gut 15 Stunden nach seiner Wahl - skizzierte er die Grundzüge eines Programms für sein Pontifikat.

HB VATIKAN-STADT. Der neue Papst hat den Willen zu einem offenen Dialog mit anderen Konfessionen und Weltreligionen bekundet. In seiner ersten öffentlichen Messe im neuen Amt trat der als konservativ geltende frühere Kardinal Joseph Ratzinger am Mittwoch Befürchtungen entgegen, er könne als Oberhaupt der katholischen Kirche Reformdiskussion entgegenstehen und anderen Kulturen den Rücken kehren.

Er sei bereit, „alles in seiner Macht Stehende zu tun, um das Grundanliegen der Ökumene voranzubringen“, sagte Benedikt XVI. bei der Messe im Vatikan. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, und der Vorsitzende des Zentralrats der Moslems, Nadeem Elyas, hatten den neuen Papst aus Deutschland aufgerufen, den Dialog mit den anderen Religionen zu fördern. Offiziell soll Papst Benedikt XVI. am Sonntag in Rom in sein Amt eingeführt werden. An der Feier wollen auch Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder teilnehmen.

Der neue Papst und frühere Erzbischof von München und Freising gilt als strenger Bewahrer einer dogmatischen Glaubenslehre und hatte in früheren Reden klar gemacht, dass er in der Kirche keine abweichenden Richtungen dulden werde. Kritiker werfen ihm vor, er sei nicht willens, Brücken zu protestantischen Christen aufzubauen.

Der neue Pontifex war am Vortag in einem der kürzesten Papstwahlen der Kirchengeschichte bestimmt worden. Die Wahl wurde von Vatikan-Experten als Wille der Kardinäle interpretiert, mit ihm den von Johannes Paul II. eingeschlagenen Kurs fortzusetzen. Ratzinger, ein enger Vertrauter des verstorbenen Papstes, war schon lange vor der Entscheidung als einer der aussichtsreichsten Kandidaten gehandelt worden.

Seine Wahl sei für ihn eine Überraschung gewesen und habe ihn in einen Zustand innerer Aufruhr versetzt, sagte der 78-Jährige. Ein Gefühl der Unzulänglichkeit habe ihn überkommen. Aber er sei überzeugt, dass ihn der verstorbene Johannes Paul II. zu Beginn seiner Amtszeit leiten werde. „Ich meine, seine starke Hand zu fühlen, die meine hält; ich meine, seine lächelnden Augen zu sehen und ihn in diesem Moment sprechen zu hören: „Habe keine Angst'.“

Am Mittwoch zeigte sich Benedikt XVI. erstmals nach seiner Wahl außerhalb des Vatikans, als er in seine Wohnung zurückkehrte. Das neue Kirchenoberhaut hatte zuvor zwar offiziell die päpstliche Amtswohnung im Vatikan übernommen. Es wird jedoch damit gerechnet, dass Benedikt XVI. sie erst nach Abschluss der Renovierungsarbeiten beziehen wird.

Mit seinen 78 Jahren ist Benedikt XVI. der älteste Mann, der in den vergangenen 300 Jahren zum Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gewählt wurde. „Ich war geschockt. ... Ich habe geglaubt, dass das hohe Alter und auch eine nicht sehr stabile Gesundheit ein Grund sei für die Kardinäle, jemanden anderes zu suchen“, sagte der ältere Bruder des Papstes, Georg Ratzinger, am Mittwoch der ARD.

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