Raubkunst-Experte
Weitere spektakuläre Kunstfunde möglich

Die Nazis lagerten tausende geraubte Werke großer Meister in einem österreichischen Salzbergwerk. Viele Bilder kamen in den Kriegswirren zu bis heute unbekannten Besitzern. Es könnten noch große Schätze versteckt sein.
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Altaussee/WienDer spektakuläre Münchner Kunstfund könnte nach Ansicht von Experten kein Einzelfall bleiben. Denn vermutlich gebe es viele vergleichbare Privatschätze aus Raubkunst. Bereits während des Kunstraubs durch die Nazis seien viele Gemälde und andere Artefakte in unbekannte Hände gelangt, sagt der Fachbuch-Autor Konrad Kramar („Mission Michelangelo“). „Es wurde schon damals sehr viel gestohlen.“ Beim Transport in das zentrale Sammellager der Nazis im österreichischen Altaussee habe es 1943 und 1944 „chaotische Zustände“ gegeben.

Mehr als 5000 von den Nazis zusammengeraffte Kunstwerke lagerten bis 1945 in dem steirischen Salzbergwerk. Viele Werke seien bis heute nicht mehr aufgetaucht. Seit Jahrzehnten hielten sich dafür Gerüchte über Kunstschätze in Privathäusern, auch in der Umgebung der Stollen in der Steiermark. Doch so gut wie niemand wolle bis heute darüber reden, sagte Kramar.

Vor einer Woche war bekanntgeworden, dass in einer Münchner Wohnung des Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt rund 1400 meist verschollen geglaubte Kunstwerke beschlagnahmt worden sind. Sie sind größtenteils das, was die Nazis „Entartete Kunst“ nannten - unklar blieb jedoch zunächst, ob sich darunter wirklich Raubkunst befindet, da keine Liste der Werke öffentlich wurde.

Der Raub von Werken wie Jan van Eycks Genter Altar, Michelangelos Brügger Madonna oder Pieter Bruegels „Bauernhochzeit“, sei von den Nazis „generalstabsmäßig angelegt“ gewesen, erläuterte Kramar. Ziel Hitlers sei gewesen, damit ein sogenanntes Führermuseum in seiner Lieblingsstadt Linz zu gründen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten die amerikanischen Soldaten für die Rückführung der verbliebenen Werke in die Herkunftsländer. Doch auch dabei seien wieder viele Stücke abhanden gekommen, so Kramar.

Acht amerikanische Fliegerbomben lagen laut Kramar im österreichischen Altaussee ebenfalls unter Tage. Tonnen von Sprengstoff in den Stollen sollten den Kunstschatz im Fall der Niederlage der Nazis zerstören.

Bergleute aus dem Salzkammergut, die oftmals Widerstandskämpfer gewesen seien, haben die Mine laut Kramar samt den Werken gerettet: Sie schafften die Bomben weg. Ob sie im Auftrag oder aus eigener Initiative handelten, lasse sich nicht mehr klar rekonstruieren.


dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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