Raumfahrt Fester Griff in 400 Kilometern Höhe – trotz Höhenangst

Wer sich Hunderte Kilometer über der Erde in den freien Weltraum traut, sollte schwindelfrei sein. Doch US-Astronaut Joseph Acaba hat Höhenangst.
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Mit zwei anderen Astronauten ist Joseph Acaba Ende Februar von der ISS auf die Erde zurückgekehrt. Quelle: AP
Nasa-Astronaut Joseph Acaba

Mit zwei anderen Astronauten ist Joseph Acaba Ende Februar von der ISS auf die Erde zurückgekehrt.

(Foto: AP)

Für einen Menschen mit Höhenangst hat sich Joseph Acaba ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt. „Wenn Sie die Bilder anschauen: Ich halte mich am Geländer fest“, gesteht der 49 Jahre alte Nasa-Astronaut, als er im Stennis-Raumfahrtzentrum an der Golfküste von Mississippi seinen Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation ISS schildert. In rund 400 Kilometern Höhe habe er die Reling besonders fest gepackt.

Es ist der erste öffentliche Auftritt Acabas, seit er Ende Februar aus dem All zurückgekehrt ist und nun wieder festen Erdboden unter die Füße bekommen hat. Er berichtet Nasa-Mitarbeitern und der Nachrichtenagentur AP über seine Erfahrungen im Weltraum und über künftige Expeditionen. Mehr als 300 Tage hat er während drei Flügen in der Stille des Alls verbracht.

Solche Reisen lägen auch für Privatpersonen näher als viele glaubten, sagt Acaba. „Im nächsten Jahr oder so werden wir kommerzielle Flüge mit Nasa-Astronauten haben“, sagt er.

Seit dem Ende des Space-Shuttle-Programms fliegt die Nasa ihre Astronauten derzeit mit russischen Raumschiffen und Raketen zur ISS. Doch demnächst sollen das von Privatfirmen entwickelte Geräte übernehmen. „Das ist der erste große Schritt“, sagt Acaba. Unternehmen, die solche Raumschiffe entwickeln, setzen auch auf Weltraumtourismus.

Trotzdem werde ein Weltraumflug immer etwas Außergewöhnliches bleiben, sagt Acaba. „Ins All zu fliegen ist schwierig. Aber ich denke, in naher Zukunft werden wir mehr Möglichkeiten haben, Leute ins All zu fliegen“, sagt er.

Acaba war 2007 das erste Mal auf der ISS, damals noch mit einem Space Shuttle. 2012 kehrte er mit einem Sojus-Raumschiff ins All zurück. Im vergangenen September startete er zu seinem dritten Weltraumeinsatz.

Das ultimative Ziel sei es, Menschen auf den Mars zu bringen, sagt Acaba. Das solle in den 2030er Jahren passieren. Der Weg dahin führe allerdings über den Mond. Das sei der erste logische Schritt. Die Menschheit sei zwar schon einmal dort gewesen, aber: „Das war ein sehr begrenztes Zeitfenster“, sagt Acaba. „Wir haben neue Technologien, die wir erproben wollen, nicht nur auf der Mondoberfläche, auch in der Mondumlaufbahn.“ Dadurch solle der Mond eine Art Zufahrt für Flüge zum Mars werden.

Während Acaba 2017 mit russischen Kosmonauten auf der ISS arbeitete, verschärften sich 400 Kilometer unter ihnen die Spannungen zwischen den USA und Russland, unter anderem wegen des Vorwurfs, Moskau habe sich in die US-Wahlen vom Herbst 2016 eingemischt. Seine Erfahrungen mit den Russen seien hervorragend, sagt Acaba. Es sei großartig, mit ihnen zu arbeiten. „(Es) war schön zu sehen, dass man auf einem Gebiet arbeiten kann, dass sich über all die Politik erhebt.“

Acaba und seine Mitstreiter auf der ISS betrieben fast ein halbes Jahr lang wissenschaftliche Experimente, unter anderem zur Herstellung von Glasfasern in geringer Schwerkraft und für genauere Biosensoren für Blutzucker. Außerdem maßen sie auf der Erde eintreffende Sonnenenergie.

Bei seinem Weltraumausstieg musste Acaba einen Robotergreifarm schmieren und neue Kameras installieren. Hunderte Kilometer über dem Erdboden bei rund 27 000 Stundenkilometern Geschwindigkeit ist das auch ohne Höhenangst eine besondere Sache. „Man muss beim Weltraumspaziergang ein bisschen arbeiten, um zu begreifen: Okay, es ist okay - du wirst nicht runterfallen“, sagt er. Im All herrscht schließlich Schwerelosigkeit.

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