Razzia auf Sizilien
Polizei schnappt neuen „Boss der Bosse“

Der italienischen Polizei ist erneut ein Großschlag gegen das organisierte Verbrechen gelungen: Sondereinheiten der Carabinieri nahmen am Montagmorgen auf Sizilien den Mafia-Boss Salvatore Lo Piccolo (65) fest. Er war mehr als 20 Jahre lang auf der Flucht.

HB PALERMO. Nachdem den Fahndern im April 2006 der Super-Pate Bernardo Provenzano ins Netz gegangen war, galt Lo Piccolo als neuer „Boss der Bosse“ der sizilianischen Cosa Nostra. Mit ihm zusammen wurden auch sein Sohn Sandro (32) sowie zwei weitere Mafiosi gefasst. Sie alle standen auf der Liste der 30 meistgesuchten Kriminellen in Italien, die vom Innenministerium in Rom verfasst wird.

40 Carabinieri umstellten am Morgen ein Haus auf dem Land in der Nähe des Ortes Carini. Lo Piccolo hielt gerade in der Garage ein Treffen mit anderen Bossen ab. Unter anderem wurden nach der Festnahme Waffen, Geld und Dokumente sichergestellt. Der Präsident der Region Sizilien, Salvatore Cuffaro, sprach von einem „tödlichen Schlag gegen die Cosa Nostra“ und dankte den Ermittlern für ihre erfolgreiche Arbeit.

Lo Piccolo werden unter anderem mehrere Morde sowie Drogenhandel, Bauspekulation und Zugehörigkeit zu einer Mafia-Vereinigung vorgeworfen. Auch soll er mit der Cosa Nostra in den USA zusammengearbeitet haben. Seit 1983 fahndete die Polizei nach ihm. Er war - wie auch sein Sohn Sandro - in Abwesenheit zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Lange Zeit galt er als Schützling von Provenzano, mit dem er in engem Kontakt stand.

Die Festnahmen sind ein weiterer großer Erfolg der italienischen Anti-Mafia-Ermittler. Allein in diesem Jahr sind den Fahndern mit dem neuen Großschlag sechs der 30 meistgesuchten Kriminellen ins Netz gegangen.

Weltweites Aufsehen erregte im vergangenen Jahr die Festnahme von Provenzano, der über 40 Jahre lang auf der Flucht war. Er wurde nach Telefonüberwachungen auf einem abgelegenen Gehöft in der Nähe der Mafia-Hochburg Corleone aufgespürt. Sizilianische Richter hatten ihn als „einen der grausamsten und blutrünstigsten Bosse der Cosa Nostra“ bezeichnet. Er soll für Dutzende Morde verantwortlich sein. Heute sitzt er in einem Hochsicherheitsgefängnis in Novara bei Mailand ein.

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