Rechtsstreit
Ex-Staatsanwalt gesteht Lüge im Polanski-Fall

Der Fall Roman Polanski nimmt eine kuriose Wende: Der frühere US-Staatsanwalt, der vor mehr als 30 Jahren den verantwortlichen Richter zu einer Haftstrafe für den Starregisseur gedrängt haben will, hat eine Lüge zugegeben. Derweil schaltete sich auch der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger in den Fall ein.
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HB NEW YORK/LOS ANGELES. Ex-Staatsanwalt David Wells sagte dem US-Nachrichtensender CNN am Donnerstag, er habe nie mit dem Richter gesprochen. „Ich habe diese unbedachten Äußerungen nur gemacht, um die Sache ein bisschen aufzupeppen.“ Der Staatsanwalt hatte im vergangenen Jahr in dem Dokumentarfilm „Roman Polanski: Wanted and Desired“ gesagt, er habe damals den Richter Laurence Rittenband von der Notwendigkeit einer Haftstrafe für Polanski überzeugt, obwohl die Verteidigung zuvor bereits eine mildere Lösung ausgehandelt hatte.

Wells' Äußerungen weckten den Verdacht, der Richter habe sich beeinflussen lassen. Für Polanski war die Darstellung in der Dokumentation Anlass, eine Einstellung des Verfahrens zu beantragen. Über den Antrag ist noch nicht entschieden.

Der französisch-polnische Filmemacher hatte 1978 zugegeben, im Jahr zuvor ein 13-jähriges Mädchen betrunken gemacht und vergewaltigt zu haben. Als es Anzeichen gab, dass der Richter sich nicht an die Vereinbarung mit der Verteidigung halten würde, war Polanski kurz vor Urteilsverkündung aus den USA geflohen. Wells hatte mit dem Verfahren nicht selbst zu tun, war aber am gleichen Gericht tätig. Polanski war am vergangenen Wochenende bei seiner Einreise in die Schweiz wegen des über dreißig Jahre alten Haftbefehls aus Kalifornien festgenommen worden.

Die Staatsanwaltschaft von Los Angeles wehrte sich unterdessen gegen den Vorwurf der Rachsüchtigkeit. Es gehe nur darum, ein noch offenes Verfahren zu beenden, das sich durch die Flucht Polanskis 1978 aus den USA verzögert habe, erklärte Bezirksanwalt Steve Cooley am Donnerstag. Er lehnte es ab zu spekulieren, welche Strafe seine Behörde fordern würde, wenn Polanski in die USA zurückgekehrt sei. Er ging mit seinen Äußerungen auf Kritik ein, wie sie in Frankreich und auch in Kreisen der Hollywood-Stars geäußert wurde und in den der Justiz Rachsucht vorgehalten wurde.

Auch der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger will von einer Vorzugsbehandlung für Polanski nichts wissen. „Es kommt nicht darauf an, ob es sich um Roman Polanski oder um jemand anderen handelt“, sagte Schwarzenegger dem US-Nachrichtensender CNN und fügte hinzu: „Ich denke, diese Dinge müssen behandelt werden wie bei jedem anderen.“ Der frühere Filmschauspieler sagte, er sei ein Bewunderer von Polanskis Werk. Dennoch dürfe man dem Regisseur keine Vorzugsbehandlung geben. Auf die Frage, ob er eine Begnadigung Polanskis erwägen würde, sagte Schwarzenegger, er erhalte viele solche Gesuche und würde einem solchen von Polanski keine besondere Beachtung schenken.

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