Redtube.com-Skandal
Gericht verwechselt Porno-Plattform mit Tauschbörse

Das zuständige Gericht in Köln hat die Sexfilm-Plattform Redtube mit einer Tauschbörse verwechselt – nur dann darf es Kundendaten zu IP-Adressen anfordern. Die Abmahnungswelle könnte weitergehen, wenn andere Provider die Daten herausgeben müssen.
  • 12

KölnNächstes Kapitel in dem juristischen Streit um das Sexfilm-Streaming-Angebot Redtube.com: Die Weitergabe der Nutzerdaten der Sexfilm-Seite war vermutlich rechtswidrig, vermuten Juristen. Die Kanzlei Urmann und Collegen aus Regensburg hatte Abmahnschreiben an die Nutzer des Portals verschickt. Zwischen 10.000 und 20.000 sollen laut „Welt“ betroffen sein.

Den Nutzern der Sexfilm-Seite wird vorgeworfen, durch die Nutzung der auf Redtube gestreamten Filme das Urheberrecht verletzt zu haben. Die abgemahnten Nutzer sollen eine Unterlassungserklärung unterschreiben und 250 Euro an den Rechtevertreter „The Archive“ überweisen, den die Anwaltskanzlei offenbar vertritt.

Für neuerlichen Ärger sorgt nun die Frage, wie die Anwaltskanzlei an die privaten Daten der Nutzer gekommen ist. Klar ist, dass sich der Rechtevertreter „The Archive“ in etwa hundert Auskunftsanträgen mit diesen IP-Adressen an das Landgericht Köln gewandt hatte.

Ein Sprecher des Gerichts hatte der Nachrichtenagentur dpa am Montag bestätigt, das Landgericht zugestimmt habe, dass bei den Internetprovidern wie der Deutschen Telekom die Hausanschriften der Betroffenen mit Hilfe der IP-Adressen ermittelt werden konnten. Das Landgericht erteilt solche Auskunftsbeschlüsse nach Paragraf 101 des Urheberrechtsgesetzes immer dann, wenn eine vermutliche Urheberrechtsverletzung vorliegt.

Genau diese Urheberrechtsverletzung bezweifelt der Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke. Er vertritt nach eigenen Angaben viele der Betroffenen. Bislang ist es juristisch umstritten, ob sich nur derjenige strafbar macht, der urheberrechtlich geschütztes Material illegal verbreitet, oder auch derjenige, der die gestreamten Filme anschaut.

„Aus meiner Sicht haben sich die Konsumenten nicht strafbar gemacht“, sagte Solmecke am Montag. Rechtlich entscheidend sei in diesem Fall, ob die Nutzer offensichtlich erkennen konnten, dass die Filme rechtswidrig auf dem Portal verbreitet wurden. „Anders als im Beispiel der Website Kino.to ist dies bei den Filmen von Redtube aber nicht der Fall“, sagte Solmecke.

Seite 1:

Gericht verwechselt Porno-Plattform mit Tauschbörse

Seite 2:

Für skurrile Abmahnaktionen bekannt

Kommentare zu " Redtube.com-Skandal: Gericht verwechselt Porno-Plattform mit Tauschbörse"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das waren Trittbrettfahrer, wurde schon an anderer Stelle publiziert.
    Das kommt dabei raus wenn man ausschließlich Klientelpolitik macht und die Bürgerrechte keinen interessieren, zumindest solange bis sie nicht mittels solcher tollen Gesetze zur Kasse gebeten werden.
    Deutsches Wettbewerbsrecht und Urheberrecht = Abzockgarantie!
    Der Rechtsfreie Raum ist vorhanden, und zwar für die Juristenkaste.

  • Anonym: Mir wurde ein "Abmahnung" per Mail geschickt. Seit wann ist sowas rechtsverbindlich? Eine Antwort konnte ich nicht versenden, weil sie angeblich (T-Online) ein Virus enthalte! Da ich auch wirklich keinen Bock habe und keine Zeit für solche Portale verwende, frage ich mich, wie diese Kanzlei überhaupt an meine Daten gekommen sein will. Sie hat auch eine Versenderadresse benützt, die wohl nicht von der Kanzlei stammt, hier für alle: stef-su@online.de !!!
    Ich erstatte Anzeige....

  • @ black

    "Jurist" und "lebensnah" ist ein Widerspruch in sich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%