Reemtsma-Lösegeld
Neue Spur führt in Frankfurter Rocker-Szene

Falsch investiert, verprasst oder „gewaschen“: Fahnder haben neue Indizien, dass Teile des Reemtsma-Lösegeldes durch die Rockerszene geflossen sein könnten. Die Hells Angels sehen sich zu einer Stellungnahme gezwungen.
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Aachen/MadridIn einen der spektakulärsten Entführungsfälle kommt nach fast 20 wieder Bewegung: Fahnder verflogen beim Entführungsfall von Jan Philipp Reemtsma Fahnder eine neue Spur zu dem Millionen-Lösegeld. Nach monatelangen Ermittlungen sei am vergangenen Mittwoch in Aachen und auf Mallorca ein Geschwisterpaar festgenommen worden, sagte ein Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft am Sonntag.

Der auf der Balearen-Insel festgesetzte Hauptverdächtige, ein 62 Jahre alter Mann, soll demnach Mitglieder aus dem Frankfurter Rotlichtmilieu erpresst haben, die Summen „in Millionenhöhe“ aus Teilen des Reemtsma-Lösegelds „gewaschen“ hätten. Die mutmaßlichen Geldwäscher seien Mitglieder des „Chapters Westend“ der Rockergruppe Hells Angels.

Dem 62-Jährigen mit dem Spitznamen Bongo werde gewerbsmäßige Erpressung vorgeworfen, sagte der Justizsprecher. Der Verdacht laute, dass der Mann durch sein Wissen „seinen Lebensunterhalt mit den Erpressungen verdient“ habe.

Der Hauptverdächtige soll demnächst aus Mallorca nach Deutschland überstellt werden. Zur Rolle der in Aachen festgenommenen Schwester des 62-Jährigen gab es keine näheren Angaben. Ein Sprecher der „Hells Angels“ wies die an die Adresse der Rockergruppe erhobenen Vorwürfe zurück: Weder habe man mit Geldwäsche noch mit dem Reemtsma-Lösegeld etwas zu tun.

Der in Mallorca Verhaftete sei zu keinem Zeitpunkt Mitglied der Gruppe gewesen, sagte der offizielle Sprecher der Rocker in Deutschland, Rudolf (Django) Triller. Er könne deshalb über kein „Insiderwissen“ verfügt haben, mit dem man Mitglieder der Frankfurter Rockergruppe hätte erpressen können.

Von Mallorca aus, so die ersten Ermittlungen, soll „Bongo“ Mitglieder des inzwischen verbotenen Frankfurter Hells-Angel-Chapters „Westend“ erpresst haben. Sie sollen vor mehreren Jahren sechs Millionen Schweizer Franken aus dem Lösegeld „gewaschen“ und nach Spanien gebracht haben, berichtet die „Bild“. In Aachen war Ende 2008 ein Komplize des Reemtsma-Entführers wegen Geldwäsche von Lösegeld-Millionen zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.

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