Reformen gefordert
Kritik am Papstbesuch wächst

Vor seinem Besuch in Bayern erfährt Papst Benedikt XVI. viel Lob: Von einem „Jahrhundert-Ereignis" schwärmt etwa Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber, „kein Event im üblichen Sinn“ lobt der Münchner Erzbischof Kardinal Friedrich Wetter. Doch auch die Kritiker des Papstes melden sich wieder zu Wort – sie wollen endlich kirchliche Reformen.

HB MÜNCHEN. Papst Benedikt XVI. möchte dem „manchmal müden Christentum“ Mut machen. Das schrieb das Kirchenoberhaupt in einem handschriftlichen Brief, den die Münchner Kirchenzeitung am Donnerstag veröffentlicht hat. „Damit verbinde ich die Hoffnung, dass wieder mehr junge Menschen die Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der Kirche überwinden." Der Papst wird von Samstag an sechs Tage lang Süd- und Ostbayern bereisen und zwei Großgottesdienste in München und Regensburg abhalten, zu denen insgesamt mehr als 550 000 Menschen erwartet werden.

„Es ist das gleiche Frömmigkeitsspektakel wie bei seinem Vorgänger", beschwert sich die Kirchenkritikerin Uta Ranke-Heinemann, „nur dass es statt 20 Millionen Mark jetzt 20 Millionen Euro kostet.“ Die 78-Jährige war 1970 die erste Frau der Welt, die eine Zulassung für die katholische Professur erhielt. Die Berechtigung dafür wurde der Tochter des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann von der katholischen Kirche 1987 wieder entzogen, nachdem sie die Jungfrauengeburt Jesu Christi angezweifelt hatte.

„Frauen- und Sexualfeindlichekeit“

Von den Fragen und Sorgen der übrigen Menschheit, schreibt Heinemann weiter, hätten sich die „zölibatären Hirten“, längst verabschiedet – ihre „Frauen- und Sexualfeindlichkeit“ sei aber geblieben. „Angesichts der Millionen Aids-Infizierten und -Toten aufgrund des kirchlichen Kondomverbots sollten die 20 Millionen Euro lieber für die Opfer verwendet werden.“

Auch die katholische Basisbewegung „Wir sind Kirche“ fordert Reformen von Benedikt XVI: „Den vielen Worten muss der Papst nun auch Taten folgen lassen“, sagte ihr Sprecher Norbert Scholl am Freitag im Bayerischen Rundfunk. Als Beispiel nannte er die Forderung der deutschen Bischöfe, auch wiederverheiratete Geschiedene zum Abendmahl zuzulassen. Zudem sei auf der Weltbischofskonferenz von Bischöfen gefordert worden, dass auch verheirateten Männern der Priesterdienst erlaubt werden solle. „Das alles ist bis heute gesagt worden, aber es sind keine Taten daraus gefolgt“, kritisierte Scholl.

In bayerischen Landeshauptstadt ist von der Kirchenkritik derweil nicht viel zu spüren: Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude betonte „eine große Wiedersehensfreude auf beiden Seiten“. Eine „kleine Gruppe im Münchner Rathaus“ wolle zwar gegen den Papst demonstrieren, aber „die Münchner Bevölkerung mit dem OB“ werde ihn herzlich willkommen heißen.

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