Reformer mit konservativen Zügen
Porträt: Severino Poletto

Kardinal Severino Poletto (72) aus Turin ist einer der sich gerne unter das Volk mischt: In seinen jungen Priesterjahren arbeitete er in einer Fabrik und gegen den Irak-Krieg ging er auf die Straße.

HB ROM. Poletto hat nicht nur den Ruf eines Reformers, sondern auch konservative Züge. So plädierte er eindringlich für den Verbleib von Kruzifixen in italienischen Klassenzimmern und verurteilte die Abtreibungspille. Wer gegen das Aufhängen von Kreuzen sei, habe die Bedeutung des Symbols nicht verstanden, sagt Poletto. „Es gibt kein Zeichen einer größeren Liebe als dieses.“ Wer die Kruzifixe entfernen wolle, beraube die italienische Gesellschaft des wichtigsten Symbols für Barmherzigkeit und Menschenliebe.

Als „Beleidigung für Turin“ bezeichnete der Kardinal im Jahr 2002 die Zulassung der Abtreibungspille in einer Klinik der Stadt. Jede Abtreibung vernichte menschliches Leben, ob mit chirurgischem Instrument oder mit chemischer Substanz.

Über die Grenzen Italiens hinaus wurde Poletto als „Hüter des Turiner Grabtuches“ bekannt, das angeblich die Gesichtszüge Jesu zeigt. Mehr als zwei Millionen Besucher kamen zur Ausstellung des Tuches im Jahr 2000 in die piemontesische Metropole. Obwohl als Erzbischof erst kurz im Amt, habe sich Poletto als souveräner Gastgeber erwiesen, lobten die Medien.

Der Norditaliener ist bereits seit einem halben Jahrhundert als Seelsorger tätig. Er wurde am 18. März 1933 in Salgareda in der Diözese Treviso geboren. 1957 wurde er zum Priester geweiht, von 1965 bis 1980 war er als Pfarrer in Casale im Piemont tätig. In dieser Zeit arbeitete er Teilzeit in einer Fabrik, um die Probleme seiner Gemeindemitglieder hautnah kennen zu lernen. Als der Autohersteller Fiat vor wenigen Jahren einen massiven Arbeitsplatzabbau ankündigte, rief Poletto in einer leidenschaftlichen Predigt die Regierung in Rom zum Handeln auf. Die Menschen lieben ihren „Arbeiterpriester“ dafür. 1980 wurde er Bischof, 1999 Erzbischof, 2001 nahm ihn Papst Johannes Paul II. ins Kardinalskollegium auf.

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