Regierung macht Mut
Ende der Sahara-Geiselnahme in Sicht

In Malis Hauptstadt Bamako verdichten sich die Hinweise auf eine baldige Freilassung der 14 europäischen Sahara- Geiseln. Anlass für den Optimismus sind zuversichtliche Äußerungen und Signale der Unterhändler.

HB/dpa BAMAKO. Zuletzt hatte der Staatssekretär im deutschen Außenministerium, Jürgen Chrobog, am Donnerstag von einer „entscheidenden Phase“ der Verhandlungen gesprochen. Nach einer zweistündigen Unterredung mit Malis Präsidenten Amadou Toumani Touré stellte er eine baldige Lösung in Aussicht. Details der immer wieder von Gerüchten aller Art umgebenen Verhandlungen nannte er allerdings nicht.

Nach Monate langem Nervenkrieg zeichnet sich damit ein Ende der Affäre ab - auch wenn es noch mehrere Tage oder schlimmstenfalls Wochen dauern könnte, bis die erschöpften Geiseln ihre Freiheit wiederfinden. Sie waren vor einem knappen halben Jahr bei einer Sahara-Tour in die Hände radikal-islamischer Kidnapper gefallen und von Algerien nach Mali verschleppt worden.

Ihr Gesundheitszustand wurde von Chrobog als erschöpft, entgegen anderen Berichten aber nicht als Besorgnis erregend beschrieben. Der Staatssekretär, der in der Geiselaffäre sonst nicht gerade mit öffentlichen und noch weniger mit optimistischen Äußerungen hausieren geht, warnte auch im Interesse der Angehörigen davor, Informationen aus Bamakos fruchtbarer Gerüchteküche allzu sorglos zu verbreiten. Viele davon hätten sich als schlicht falsch herausgestellt und nur Verunsicherung ausgelöst.

Der deutsche Chef-Koordinator hatte seinen Reisezeitpunkt geschickt gewählt. Denn in dem westafrikanischen Staat waren kurz zuvor die ersten Berichte eines Vermittlerteams erwartet worden, das sich vor einer Woche auf den Weg zu den Kidnappern gemacht hatte. Dem Tuareg-Stammchef Iyad Ag Agaly war dabei kurz zuvor ein ehemaliger Geheimdienstchef vor die Nase gesetzt worden, der nun die Vermittlerkommission und ihre Gespräche leitet. Angesichts einer strikten Nachrichtensperre der Behörden verlautete offiziell zwar nichts zum Inhalt der Verhandlungen in Bamako, doch Chrobog stützte ganz offensichtlich seine optimistische Grundhaltung darauf ab. „Ich bin gewiss zuversichtlich“, betonte er noch einmal kurz vor seinem Rückflug nach Berlin mit Nachdruck in der Stimme. Es war sein zweites Treffen mit Malis Staatsführung seit dem 22. Juli.

Für die 14 Geiseln - 9 Deutsche, 4 Schweizer und 1 Niederländer -, die seit Juli im unwegsamen malischen Grenzgebiet zwischen Mauretanien, Algerien und dem Niger festgehalten werden, ist die Zeit des bangen Wartens damit jedoch noch nicht vorbei. Noch immer sind Rückschläge möglich, die das seit einem knappen halben Jahr andauernde Martyrium der Abenteuerurlauber verlängern könnten. Ihre Geduld wie auch die ihrer Angehörigen wird vorerst daher weiter auf eine harte Probe gestellt werden.

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