Regierung scheint machtlos
Krawalle nun auch in Frankreichs Provinz

Die Ausschreitungen von Jugendlichen haben sich über die Hauptstadt Paris hinaus ausgeweitet: Auch in Dijon, Rouen und bei Marseille wurden Autos zerstört. Brennpunkt bleibt jedoch die Hauptstadt, wo hunderte Busse und Autos ausbrannten und Gebäude in Flammen aufgingen.

HB PARIS. In mehreren Pariser Vororten gab es die achte Nacht in Folge Zusammenstöße zwischen Jugendlichen und der Polizei. Über die Zerstörungen außerhalb von Paris gab es zunächst keine genauen Informationen. „Alles, was wir jetzt noch brauchen, ist ein Toter. Dann entgleitet uns die Kontrolle völlig“, sagte der Bürgermeister des in Nordosten von Paris gelegenen Drancy, Jean-Christophe Lagarde.

Die sozialistische Opposition in Frankreich hat angesichts der anhaltenden Gewalt eine Dringlichkeitsdebatte im Parlament gefordert. Dabei solle „die ganze Wahrheit über die Zustände in den Problemvierteln“ gesagt werden, sagte der Sprecher der Sozialisten Julien Dray. Er forderte die Regierung auf, eine neue Politik zu entwickeln, „die das Übel der sozialen Not in den benachteiligten Vierteln an der Wurzel anpackt“.

Nach Angaben der Polizei nahmen die Brandstiftungen in der zurückliegenden Nacht weiter zu, während die direkten Konfrontationen zwischen jugendlichen Schlägerbanden und den Beamten zurückgegangen seien. In den Pariser Gebieten seien mehr als 500 Autos angezündet worden, 200 mehr als in der Nacht zuvor. In einem Depot in Trappes wurden durch einen Brand 27 Busse zerstört. Brandsätze wurden auf öffentliche Gebäude wie Rathäuser, Schulen und Polizeistationen geworfen. Auch zwei Kaufhäuser gingen in Flammen auf. In Neuilly-sur-Marne wurden Schrotkugeln auf ein Polizeifahrzeug gefeuert. Rund 1000 Polizisten waren im Einsatz. Fünf Beamte seien in der Nacht durch Steinwürfe leicht verletzt worden, hieß es von Seiten der Polizei.

Nacht für Nacht liefern sich Jugendliche und Polizisten in den Trabantenstädten der Metropole Straßenschlachten. Die meisten Randalierer stammen aus afrikanischen Einwandererfamilien, sind arbeitslos und fühlen sich von der französische Gesellschaft ausgeschlossen. Am Donnerstag hatte die Polizei noch gehofft, die Lage würde sich zum Ende des Fastenmonats Ramadan etwas beruhigen - viele der jungen Nordafrikaner sind Moslems. Eine Entspannung ist allerdings nicht in Sicht.

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