Reiseland statt Durchgangsstation
Deutschland? Echt lekker!

Lange war die Bundesrepublik für Niederländer nur Durchreiseland. Nun ist sie ihr Ferienland Nummer eins – vor allem zur Weihnachtszeit. Und bald auch wegen Fußball.

DÜSSELDORF. Mariette schiebt sich noch ein paar münzgroße Pfanneküchlein in den Mund. Original niederländische Poffertjes. „Echt lekker in Düsseldorf“, sagt sie. Ruud holt Glühwein. „Een voor de Oma“ ruft ihm Wim mit der roten Mütze und weißem Bommel nach. „Met Schuuss, die Glühwein“, kreischt nun die Oma hinterher.

Um Maartjes Kinderhals baumelt ein Lebkuchenherz. Die kleine Flor heult: „Ik will ook!“ Über ihr leuchten die Lämpchen eines großen Tannenbaums, und aus dem Lautsprecher des Kinderkarussells träumt Bing Crosby von „White Christmas“.

Alles ist gut. Weihnachten am Düsseldorfer Schadowplatz – ohne Niederländer heute nicht mehr denkbar.

In den vier Wochen vor Weihnachten erwartet Düsseldorf sieben Millionen Besucher. Die Mehrheit reist aus den Niederlanden an. Allein von den 2 000 Bussen, die sich jeden Tag als endloser Blechwurm am Rheinufer zum Parken aufstellen, kommen zwei Drittel aus dem Nachbarland. Düsseldorfs Händler rechnen im Weihnachtsgeschäft mit rund einer Milliarde Euro Umsatz für Gastronomie, Hotellerie, Standbetreiber und den Einzelhandel.

Auf die niederländische Flut sind sie vorbereitet. Vor dem Glühweinstand hängt ein Schild: „1 Euro Statiegeld“ – ein Euro Becherpfand. Der Keramikverkäufer bietet die „Potten“, seine Becher, auch mit niederländischen Namen als Aufdruck an, und das Poffertjehäuschen am Schadowplatz lässt seine Verkäuferinnen in holländischen Bauerntrachten antreten, um den Gästen möglichst viel Heimatgefühl zu vermitteln.

Dass der Weihnachtsansturm aus den Niederlanden dieses Jahr besonders üppig ausfällt, bestätigt einen Trend, der sich seit der Fußballweltmeisterschaft im vergangenen Jahr abgezeichnet hat: Die Niederländer beginnen, die Deutschen zu mögen. Von Oktober 2006 bis einschließlich September 2007 stieg die Zahl der Deutschlandurlauber aus den Niederlanden von 2,6 auf 2,9 Millionen.

Damit ist die Bundesrepublik das beliebteste Reiseziel der Niederländer – und zwar mit Abstand.

Der Schadowplatz in Düsseldorf ist für die muntere Truppe aus dem niederländischen Venray nur eine Reisestation von vielen, die sie jährlich im großen Nachbarland verbringen. „Im de Winter fahren wir oft für eine Wochenende in die Sauerland, da kann man lekker skien“, sagt Wim mit echtem Rudi-Carrell-Akzent. „Und Après-Skien“, ergänzt Ruud.

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