Rekordtemperaturen lassen Dresscode bröckeln
Mit Flip-Flops ins Büro?

Draußen drückt die Hitze mit 35 Grad, und im Büro ist es nicht viel kühler.

HB FRANKFURT. Barfuß tapst Laura Kölzer über das Parkett zurück an ihren Schreibtisch. Die 21-Jährige arbeitet in einem Kölner Veranstaltungsunternehmen und trägt bei der Arbeit T-Shirt und Blümchenrock. Nicht im Traum käme sie auf die Idee, bei diesen Temperaturen mit geschlossenen Schuhen und Kostüm im Büro zu schwitzen, sagt die Auszubildende: „Bei dem Wetter trage ich nur angenehm leichte Kleidung. Meine Chefs tragen selbst manchmal offene Schuhe und verzichten aufs Jackett.“

So unkompliziert sei der Umgang mit dem Dresscode aber längst nicht überall, warnt die Freiburger Stilexpertin Elisabeth Bonneau. „Spaghetti-Träger, Sandalen und kurze Hosen sind in den allermeisten Berufen immer noch verpönt“, erklärt die Mitbegründerin des Deutschen Knigge-Rats. Überhaupt seien ihrer Erfahrung nach die Dresscodes nach dem Platzen der Dotcom-Blase eher wieder strenger geworden. Das führe gerade bei Frauen oft zu Unsicherheit, da bei ihnen die Regeln nicht immer ganz klar seien: Hose oder Rock? Wie lang oder wie kurz? Und was ist mit Dekolleté und kurzen Ärmeln?

Die Grenzen sind fließend und schnell überschritten. „Es kommt immer auf das Umfeld an“, erklärt Bonneau. „Wer Kunden begegnet, repräsentiert mit seiner Kleidung auch das Unternehmen.“ Ein seriöser Aufzug sei besonders dann wichtig, wenn es um Geld - also um Vertrauen - gehe. In Banken und Autohäusern seien daher kurze Ärmel oder gar Shorts absolut fehl am Platz.

Aber Anzug und Krawatte müssen bei Bullenhitze trotzdem nicht immer sein. „Auch ein Bankangestellter, der mit Sakko und Krawatte hinterm Schalter steht, kann bei 35 Grad leicht deplatziert und overdressed wirken“, sagt die Stilexpertin. Hier seien immer klare Vorgaben des Arbeitgebers gefragt - auch, damit alle Angestellten gleich förmlich oder locker auftreten.

Das ist auch der Rat, den Gertrud Graszt aus der Rechtsabteilung der Gewerkschaft Verdi bereithält. Der Chef habe nämlich beim Dresscode immer das letzte Wort. Wer aber am Dresscode zweifle, könne versuchen, den Chef mit guten Argumenten zu überzeugen. „Es gibt kaum einen Grund, warum Arbeitnehmer, die zum Beispiel nur im Hintergrund arbeiten, nicht ruhig auch in Sandalen arbeiten dürfen sollten.“

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