Reportage aus New York
Ein schauriges Halloween ohne Strom

Über 94 Stunden ohne Strom - nur Kerzen und Taschenlampen. Wie Hurrikan "Sandy" unserem New York-Korrespondenten Thomas Jahn das schaurigste Halloween aller Zeiten bescherte.
  • 2

New YorkDas Ganze fing mit einem Flackern an. Am vergangenen Montag um 19.16 Uhr gingen die Lichter in meiner Wohnung im Greenwich Village kurz herunter. Als ob jemand auf den Gartenschlauch mit Wasser getreten hätte und wir die Gärtner verdutzt aus der Wäsche anschauen: So guckten wir auf die Lampen. 

Dabei hätte ich es mir denken können. Schon einen Tag zuvor stellte New York den U-Bahn-Verkehr ein. Na und? Ich war am Morgen mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Das ich mit zwei anderen der Einzige im ganzen Hochhaus war, wie mir der Pförtner erzählte, auch das schreckte mich nicht sonderlich. Draußen regnete es nur ein bisschen, der Wind hielt sich in Grenzen – wozu die ganze Aufregung? 

Als abends um 20.20 Uhr der Strom ausfiel, fanden wir es erst ganz lustig. Die Kinder mit der Taschenlampe ins Bett zu bringen, kein Problem. „Wie bequemes Camping“, witzelte die Vierjährige. 

Auch am nächsten Tag schien alles zunächst noch ganz einfach. Ich holte mir beim Deli das Frühstück – im Dunkeln verkauften sie nur Bagel und Kaffee -, aber das Büro war zu. Kein Strom, der Fahrstuhl fährt nicht, der Pförtner schnitt nur mit der Hand durch seinen Hals. Ich meldete mich bei der Redaktion ab, ohne zu wissen, dass es die letzte Funkverbindung mit meinem Handy für Tage sein würde. 

Ich dusche mich kalt. Der Zündfunke von der Ölheizung ist elektrisch, die Heizung fällt aus. Es wird merklich kühler in der Wohnung. Wir kochen das Wasser auf dem Gasherd zum Abwaschen auf. Gegessen wird, was im Kühlschrank als erstes schlecht wird. Die Nachbarin klopft und fragt nach 20 Dollar, um einkaufen zu gehen. Die Geldautomaten funktionieren nicht mehr. 

Dann ging ich mit den zwei Kindern auf Entdeckungsfahrt. Was war in der Nacht in unserer Nachbarschaft passiert? Doch mehr, als ich bei dem bisschen Wind und Regen gedacht hatte. Äste lagen in unserer Straßen, der Washington Square Park war geschlossen, das Straßenschild verbogen von riesigen Ästen, die der Sturm herunter geholt hatte. Die Kinder staunten nicht schlecht. Ich noch mehr.

 

Seite 1:

Ein schauriges Halloween ohne Strom

Seite 2:

Die Wohnung ist eiskalt"

Kommentare zu " Reportage aus New York : Ein schauriges Halloween ohne Strom"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wen interessiert/trifft hier bei uns wirklich Halloween oder gar NY???

  • die infrastruktur ist schon eine katastrophe ohne wirbelsturm. insbesondere die stromversorgung ist einfach nur lächerlich und peinlich für so eine industrienation.
    aber es gibt ja auch bei uns unternehmensberater und andere hirnverdrehte die die stromversorgung in den usa loben und diesen primitiven standard als vorbild für unsere netze nehmen...aber nur zu- was aus den usa kommt ist doch alles super!!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%