Reportage
Köln versinkt in einem Meer aus Fahnen

Einmal den Papst sehen, das ist das Ziel von Valotta und Lorena aus Mailand. Die beiden 20-jährigen Mädchen sind bereits seit den frühen Morgenstunden auf den Beinen. Sie sind aus Düsseldorf angereist, wo sie während des Weltjugendtages bei einer Gastfamilie wohnen.

KÖLN. Am Kölner Hauptbahnhof zwängen sich die zwei Italienerinnen zusammen mit hunderten von anderen Pilgern durch die engen Treppenflure von den Bahnsteigen hinunter in die Bahnhofshalle. Die Deutsche Bahn hat sich auf den Pendlerverkehr der Pilger vorbereitet und zusätzliches Personal eingesetzt. An den Fahrkartenautomaten erklären Bahnmitarbeiter den Zusammenhang von Tarifzone und Tarifklasse. Mit Spanisch und Französisch habe er es nicht so, meint ein Ticketverkäufer. Aber mit Englisch käme er ganz gut hin. Von dem Service profitieren an diesem Tag auch die Deutschen, die oft ebenso ratlos vor den Fahrkartenautomaten stehen.

Freiwillige des Weltjugendtages helfen am Bahnhof aus. Sie sind an ihren roten Jacken mit der Aufschrift „Volunteer“ zu erkennen. Beate, ein 21-jähriges Mädchen aus Litauen, steht bereits seit 8 Uhr am Bahnhof und beantwortet die Fragen der Vorbeiziehenden. „Wo ist der Dom?“, wollen die meisten wissen. Ein dankbare Frage für Beate, die die Pilger nur zum Ausgang in Richtung Domplatte verweisen muss. Viel besser kennt auch sie sich nicht aus und sucht bei schwierigen Fragen ganz aufgeregt in ihrem Stadtplan nach dem Ziel. Bis 16 Uhr wird ihr anstrengender Dienst dauern. Doch sie mache es gern, sagt sie.

Im Bahnhof ertönt ein Mix aus zahlreichen Sprachen. Italienisch dominiert, die Pilger von der Apennin-Halbinsel stellen die größte Fraktion. Auf einmal hallt es jedoch laut „Viva la Mexico“ durch die Bahnhofshalle. Mehrere Mexikaner haben eine Polonäse gebildet und ziehen tanzend in Richtung Domplatte. Eine Gruppe Spanier nimmt die Herausforderung zum musikalischen Schlagabtausch an. Die Mexikaner haben schlechte Karten. Der Anführer der Spanier ist mit einem Megafon bewaffnet - „Viva Espana“ gewinnt.

Vom Bahnhof aus ziehen die Pilger zum Dom. Die Kathedrale ist jedoch bereits seit 11 Uhr für Besucher gesperrt. Am Treppenaufgang stellen Polizisten Absperrgitter auf und postieren sich dahinter. Eine Gruppe Afrikaner lässt sich davon nicht beeindrucken und tanzt weiter ausgelassen auf den Stufen. Die Polizisten lassen sie gewähren. Bis der Papst hier ankommt, sind es noch sieben Stunden.



Auch auf der Domplatte wird gefeiert. Jugendliche spielen Gitarre, hämmern auf ihre Bongotrommeln ein, singen Lieder und tanzen. Die anwesenden Kamerateams filmen sie dabei. Manchmal müssen sie die Kids um eine Zugabe bitten, weil die Kameraeinstellung nicht perfekt war. Dann wirken die Tanzeinlagen weniger authentisch, was an den Bildschirmen daheim natürlich niemand mitbekommt. Fadi aus Jordanien feiert nicht. Er steht in der Mitte der Domplatte und hält seine schwarz-weiß-grün-gestreifte Flagge mit rotem Dreieck in die Höhe. Er hat die undankbare Aufgabe des Fahnenträgers übernommen und markiert den Treffpunkt für die Gruppe. Seine Freunde sind in der großen Masse untergetaucht, er hat sie seit einer Viertelstunde nicht gesehen. Doch ihn beunruhigt das nicht, irgendwann kämen sie ja schließlich zu ihm zurück.

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