Residenzbau
Aufseher stellten Limburger Bischof Blankoscheck aus

Der Limburger Bischof konnte offenbar nach eigenem Gutdünken in seine Residenz investieren. Laut einem Medienbericht hatte ihm der für die Finanzaufsicht verantwortliche Verwaltungsrat weitreichende Befugnisse erteilt.
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Berlin/LimburgDer wegen der Baukosten seiner Residenz in der Kritik stehende Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst verfügte nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung vom Donnerstag über eine Art Blankoscheck für den Bau. Das Blatt zitierte dazu aus einem Sitzungsprotokoll des für die Beratung des Bischofs verantwortlichen Vermögensverwaltungsrates aus dem Juli 2011, mit dem Tebartz-van Elst freies Handeln gestattet wurde.

In dem Protokoll heißt es dem Bericht zufolge, in der Sitzung sei dem Bischof „die Ermächtigung ausgesprochen“ worden, „über den Haushaltsplan hinaus gehende Verpflichtungen einzugehen, soweit diese rechtlich geboten oder zur Erfüllung des Zwecks der Körperschaft erforderlich sind“. Zugestimmt hätten der Ermächtigung auch die zuständigen Mitglieder des Verwaltungsrats – darunter auch der ehemalige hessische Staatskanzleichef Jochen Riebel. Riebel war zuletzt als schärfster Kritiker von Tebartz-van Elst aufgetreten.

Die Entscheidung der Limburger Staatsanwaltschaft über ein Ermittlungsverfahren gegen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zieht sich hin. Zunächst sei dem Bischof Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben worden, sagte Behördensprecher Hans-Joachim Herrchen am Donnerstag.

Erst danach werde entschieden, ob das Verfahren wegen Untreueverdachts im Zusammenhang mit der enormen Kostensteigerung beim Bau der Limburger Bischofsresidenz aufgenommen werde oder nicht. Das gelte auch für den Vermögensverwaltungsrat, der für die Kontrolle der Finanzen des Bischöflichen Stuhls zuständig ist. Gegen ihn liegt eine anonyme Anzeige wegen Untreue und Betrugs vor.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Residenzbau: Aufseher stellten Limburger Bischof Blankoscheck aus"

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  • @Karma
    "Aber diese Minderbemittelten hat es zu allen Zeiten gegeben und das sind diese Menschen, die nicht mal merken, wenn man sie manipuliert und hinters Licht führt."

    Ach, und du weißt genau, wann du hinters Licht geführt wirst, gell? Ein bibeltreuer Schlaumeier sozusagen, das ist selten. Ehrlich!

  • Wo ist gerade der Limburger Bischof?

    Natürlich klingt alles spektakulär. Während sich die Medienmeute am vergangenem Sonntag auf den „Dienstbesuch“ des Limburger Bischofs bei seinem Chef in Rom auf dem Frankfurter Flughafen vorbereitete, war dieser nach dem Start mit einer Billigmaschine im Morgengrauen einen Tag zuvor dort längst gelandet…Mir kommt diese eher lustige Meldung vor, wie im Märchen von „Hase und Igel“! Einfach auch ein Schlitzohr, dieser Tebartz- van Elst!

    Er dürfte allerdings nicht der alleinige Übeltäter der nun völlig aus dem Ruder geratenen und äußerst verworrenen sowie fragwürdigen Finanzierungsgeschichte dieser eben fertig gestellten prachtähnlichen Begegnungsstätte zwischen verschiedenen Menschengruppen gewesen sein. Nach dem Einsturz der „Mauer des Schweigens“, der die echten Kosten bisher abschirmte, dem der „Baubegleiter“, Generalvikar Kaspar, mit seinem gerade erfolgten Rücktritt noch zuvor kam, sollten sich auch die Staatsanwaltschaften unbedingt auf die zum „Netz“ gehörenden anderen Personen etwas näher konzentrieren, die durch ihr Tun bzw. Unterlassen aus meiner Sicht unbedingt mitverantwortlich sind! Dazu zählen u.a. zuerst
    die Mitglieder des Vermögensverwaltungsrates.

    Wie die „Entsorgung“ des sich noch auf der Flucht befindlichen Bauherren enden wird, bleibt unklar. Die netten Vorschläge aus der nicht- und gläubigen Bevölkerung, ihn als neuen Flughafenchef in Berlin, Verantwortlichen in der Hamburger Oper bzw. des Nürburgringes, Gefängnis- oder Klosterpfarrer oder als Assistenten bzw. Diener seines römischen Chefs einzusetzen, sind schon interessant……

    Zumindest freut sich jetzt die gesamte Sparte der Limburger Gastronomie, die von den Besuchen zu dem neuen Wallfahrtsort „Domberg“ unheimlich profitiert

  • Sondern?

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