Rettung oder Tod
„Die Kuh, die ein Reh sein will“

Aufregung um eine ausgebüxte Kuh in Bayern: Wie ein Reh lebt sie im Wald. Doch seit sie ein Polizeiauto ausbremste, gilt "Yvonne" als Sicherheitsrisiko. Nun starten Tierschützer eine Rettungsaktion.
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MühldorfEine „Kuh, die ein Reh sein will“ ist in Bayern zum Abschuss freigegeben worden. Das Rind, das seit gut zwei Monaten im bayerischen Kreis Mühldorf frei im Wald lebt, soll eingefangen und notfalls getötet werden. Nachdem das bräunlich gescheckte Tier beinahe mit einem Polizeiauto zusammengestoßen war, ordnete das Landratsamt den Abschuss an, falls dies aus Sicherheitsgründen notwendig ist. Erich Kozel, Fachbereichsleiter öffentliche Sicherheit und Ordnung, bestätigte am Dienstag entsprechende Berichte des „Münchner Merkurs“ und der „Passauer Neuen Presse“.  

Zugleich versuchen Helfer des Gnadenhofs Gut Aiderbichl, die Kuh zu betäuben. Sie soll dann in einem Stall in Deggendorf einen Platz bekommen. Seit vergangenem Mittwoch ist gut ein Dutzend Helfer mit Aiderbichl-Experten und Tierärzten zu Fuß, mit Pferd und Geländewagen unterwegs, um das extrem scheue Rind aufzuspüren. Gleichzeitig sind zwei vom Landratsamt beauftragte Experten mit Betäubungs- und Jagdgewehr unterwegs. 

Nur wenn aus Sicherheitsgründen nötig - etwa wenn die Kuh aufgeschreckt auf die Straße läuft - soll sie erschossen werden. Die Helfer gehen mit großer Vorsicht vor. „Wir kennen die Wege, wo sie sich meistens aufhält. Aber momentan haben wir keine Spur“, sagte der Gutsverwalter von Aiderbichl, Hans Wintersteller. „Sie ist ja wie ein Reh, wie ein Wildtier.“ Der Hof hat die Kuh inzwischen ihrem Besitzer abgekauft, um sie zu retten. 

Das Rind erhielt den Berichten zufolge den Namen Yvonne - nach einer schwer kranken Frau aus Frankfurt, die sich sehr wünscht, dass das Tier lebend gefangen wird. Doch wie lange das dauern wird, ist offen - es kann Wochen dauern, sagen die Aiderbichl-Experten. 

Am 24. Mai war die Kuh von einer Weide entwischt. Ein österreichischer Bauer hatte das sechsjährige Tier an einen Kollegen bei Aschau am Inn verkauft, der es mästen und schlachten wollte. Vielleicht merkte das Rind, dass seine Tage auf der Weide gezählt waren - es büxte aus und versteckte sich im Wald. 

Schon Anfang Juli berichtete die „Passauer Neue Presse“ von der sonderbaren „Kuh, die ein Reh sein will“. Denn wie ein Reh suche sie einen festen Platz im Unterholz, an dem sie die Tage verbringt. Erst zur Dämmerung kommt sie aus dem Wald, wittert vorsichtig und beginnt dann erst zu grasen. 

Seitens der Behörden hätte sie dieses Leben weiterführen können - wenn sie nicht am vergangenen Freitag ausgerechnet vor ein Polizeiauto gerannt und damit zum Sicherheitsrisiko für den Straßenverkehr geworden wäre. „Da konnte man nicht mehr zuschauen“, sagt Erich Kozel. „Es sind sofort Verkehrsschilder aufgestellt und alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Rettung oder Tod: „Die Kuh, die ein Reh sein will“"

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  • Man sollte die Politiker und vor allem den Landrat zum Abschuß freigeben, damit endlich wieder Vernunft und Anstand in Deutschland einkehren. Beamten- und Politikerlogik führen ins Kaos und Spießbürgertum.

  • Die Kuh und der Bulle was für ein Western.

  • er kommt gerade um die Ecke!

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