Revolutionäre Töne aus dem Vatikan
Papst Franziskus und die Liebe

Der Vatikan veröffentlicht das Schreiben des Papstes zu den Beschlüssen der Familiensynoden – darin sind keine neuen Normen, aber doch eine Öffnung für Geschiedene und „Familien, wie sie sind“.

RomEs ist der österreichische Kardinal Christoph Schönborn, der die 260 Seiten mit Hunderten von Fußnoten der Apostolischen Exhortation von Papst Franziskus „über die Liebe in der Familie“, „Amoris Laetitia“, einleuchtend zusammenfasst. Und so erklärt, dass sie jeder zeitgenössische Mensch versteht, ob Katholik oder nicht.

„Oft sind die Dokumente der Kirche nicht besonders zugänglich und eine mühevolle Lektüre, das hier aber ist ein toller Text, bellissimo“, sagt der Erzbischof von Wien am Freitagmorgen im bis auf den letzten Platz gefüllten Pressesaal des Vatikans in der Via della Conciliazione kurz vor dem Petersplatz.  Und dann erklärt er die Knackpunkte und die Bedeutung der Exhortation, des päpstlichen Schreibens, so einfach und modern, dass am Ende die Journalisten applaudieren, was sonst an diesem Ort nicht üblich ist.  

Seit Tagen hatte die Weltöffentlichkeit auf Franziskus‘ Antwort auf die beiden Familiensynoden von 2014 und 2015 gewartet. Denn die Kardinäle, Bischöfe und auch Laien hatten zwar nach ihren Tagungen ihre Schlussfolgerungen veröffentlicht und kontroverse Diskussionen zwischen Reformern und Traditionalisten ausgelöst, aber im Vatikan zählt allein das Wort des Papstes. Und deshalb gibt es das nachsynodale Schreiben, das Franziskus schon am 19. März verfasst hatte, das aber erst jetzt veröffentlicht wurde.

Wie reformfähig zeigt sich die Kirche? Der Umgang mit Geschiedenen, ob Wiederverheiratete zur Kommunion gehen dürfen, die Position der Kirche zu Homosexualität und zu Patchworkfamilien - das sind die Themen, die die Weltkirche, vor allem in Deutschland, sehr emotional diskutiert. Und auf die sie eine Antwort vom Papst erwartet.

Und der schreibt in „Amoris Laetitia“: „Wenn man die zahllosen Varianten der konkreten Situationen ansieht, kann man verstehen, dass man von der Synode oder von diesem Schreiben keine neue gesetzliche Regelung kanonischer Art erwarten darf, die auf alle Fälle anzuwenden ist.“  Viele hätten auf eine neue Norm gehofft, sagt Kardinal Schönborn, „die werden nun enttäuscht sein“.

Das, was möglich sei, sage der Papst ganz klar so: „Es kann nur eine neue Ermutigung zu einer verantwortungsvollen Urteilskraft der einzelnen Personen und der Seelsorger für jeden einzelnen Fall geben.“ Und doch wird es konkret, im Punkt Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene, man muss nur genau hinschauen.

In der Fußnote Nummer 351 steht, dass man „in gewissen Fällen die Hilfe des Sakraments geben kann“, denn, und da zitiert der Papst sich selbst: „Ich erinnere die Priester daran, das der Beichtstuhl keine Folterkammer sein darf, sondern ein Ort der Barmherzigkeit des Herren.“ Das passt zum Jubiläum der Barmherzigkeit, das Papst Franziskus im Dezember ausgerufen hat.  

 

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