Riesen-Jackpot
Deutschland im Lotto-Rausch

Der zweithöchste Jackpot in der Lottogeschichte beschert den Annahmestellen am Samstag einen wahren Ansturm. Rund 26 Millionen Euro werden bei der Samstagsziehung ausgespielt.

HB POTSDAM. „Bei uns ist die Hölle los, es ist kaum zu bewältigen“, sagte Claudia Sobotta, die im Berliner Kaufhaus KaDeWe Lottoscheine im Akkord annahm. „Jeder träumt vom ganz großen Glück.“ Auch Annahmestellen in anderen Bundesländern meldeten enormen Andrang. Die derzeit federführende Land Brandenburg Lotto GmbH rechnet bundesweit mit einem Umsatzplus von 15 bis 20 Prozent im Vergleich zur Vorwoche.

„Die ersten waren schon am Morgen vor dem Frühstück da“, berichtete der Inhaber eines Frankfurter Lottoshops, Michael Mende. Es seien auch Leute gekommen, „die noch nie gespielt haben“. Er habe ihnen zeigen müssen, wie ein Schein ausgefüllt wird. Aus mehreren Annahmestellen etwa im hessischen Offenbach und im brandenburgischen Potsdam hieß es nur knapp angebunden: „Keine Zeit, hier sind so viele Tipper.“ Auch in einem der größten Lotto-Läden der Hauptstadt in den Gropius Passagen hatte Mitarbeiter Mirko Grunwald ordentlich zu tun: „Es ist voll bis unters Dach.“

Die Berliner Klassenlotterie rechnet mit einem Umsatzplus von 10 bis 20 Prozent, in Brandenburg lagen die Umsätze bis zum Mittag rund 20 Prozent über denen der Vorwoche. Allerdings sprechen einige Lottogesellschaften von einem „gewissen Gewöhnungseffekt“ bei derartigen Jackpot-Höhen. So sieht der Sprecher von Toto-Lotto Niedersachsen, Herbert John, einen „Abnutzungseffekt“ seit dem ersten Lotto-Jackpot in dieser Größenordnung im Jahr 2004. Schlangen vor den Annahmestellen seien daher nicht mehr zu erwarten.

Gar nur mäßigen Andrang gab es beispielsweise in einem Lotto-Laden im brandenburgischen Cottbus: „Es sind zwar mehr Spieler, aber Ende des Monats sitzt das Geld nicht gerade locker“, sagte dort Ingo Helmeke. Dagegen sprach eine Angestellte in einer Annahmestelle in der Fußgängerzone von Hannover von einem „Bombengeschäft“. Wie stark das Lotto-Fieber viele Deutsche gepackt hat, zeigt sich auch in München: „Wenn ich an den Jackpot denke, kribbelt es mir in den Fingern“, sagte der Straßenbahnfahrer Stephan Breitsameter. Im Falle eines Großgewinns wolle er sich Hütte in den Bergen gönnen. Der 46 Jahre alte Werner Keilich würde beim großen Lotto-Glück dagegen einfach „alles machen, nur nicht in Deutschland bleiben. Unter anderem hasse ich den Winter hier“.

Die Statistik schreckt die Tipper offenbar nicht ab: Laut Lotto GmbH liegt die Wahrscheinlichkeit für sechs Richtige plus korrekter Superzahl gerade einmal bei eins zu 140 Millionen. Sollte dennoch bei dieser Samstagsziehung ein einziger Spieler den prall gefüllten Jackpot abräumen, wäre es eine Rekordsumme. Den mit 23,9 Millionen Euro bisher größten Einzelgewinn hatte im Mai 2005 ein Glückspilz aus Baden-Württemberg eingestrichen. Wird der Jackpot nicht geknackt, ginge es am Mittwoch um den höchsten in der über 50-jährigen Lottogeschichte. Der bisherige Spitzen-Jackpot betrug 26,7 Millionen Euro – den Gewinn hatten sich am 15. Dezember 2004 zwei Spieler aus Nordrhein-Westfalen geteilt. Erst an diesem Montag wird klar sein, ob die Jagd auf den Jackpot weiter geht.

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