Riesending-Schachthöhle
Höhlenforscher ist gerettet

Die Retter mussten noch eine schwierige Stelle meistern: Die letzten Meter zogen sie den verletzten Höhlenforscher mit Muskelkraft nach oben. Um 11.44 Uhr kam die erlösende Nachricht: Johann Westhauser ist im Freien.
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BerchtesgardenStrahlend liegen sie sich in den Armen. Die Retter haben den Helm noch auf, den Klettergurt um, die Kleidung ist nach Tagen in der Höhle schlammverschmiert. Manchen stehen Tränen in den Augen, mache weinen: Johann Westhauser ist gerettet. Tagelang haben die Helfer rund um die Uhr bis zur Erschöpfung gekämpft, um den schwer verletzten Höhlenforscher aus 1000 Metern Tiefe zu bergen. Er ist einer der ihren, der Kreis der extremen Höhlenforscher und -retter ist europaweit klein. Zuversicht, Teamgeist und mentale Stärke haben sie alle getragen. Westhauser eingeschlossen.

„Man weiß, es wird gut gehen. Man braucht eine positive Grundstimmung“, sagt die Höhlenretterin Sabine Zimmerebner. Sechs Tage war sie in der Höhle, hat Westhauser, den sie kennt, fast den ganzen Transport über betreut. Ihm die Hand gehalten, Grüße ausgerichtet. Ihn rein physisch gewärmt, denn dort unten ist es kalt. Im echten Leben leitet sie einen Kindergarten in Salzburg.

Auch Bergretter Stephan Bauhofer war bei an Westhauser, begleitete ihn auch psychologisch, damit der Schwerverletzte nicht überfordert wurde. „Da musste man mit Tricks arbeiten, dass der Patient mitspielt.“ Etwa müsse man ja nicht bei der ersten Engstelle sagen, dass 99 weitere folgen. Allerdings sei es schwer gewesen, ihm etwas vorzumachen, denn er kennt in der Höhle jeden Winkel.

Ganz am Schluss gab es noch einmal eine Nervenprobe. Stunde um Stunde verzögerte sich am Donnerstag die Rettung. Gerade in der Schlussphase wollten die Retter nichts riskieren - lieber eine Pause mehr. Dann, um 11.44 Uhr, die erlösende Nachricht: Westhauser ist gerettet, gut 274 Stunden nach seinem Unfall in der Riesending-Schachthöhle, tief in den Berchtesgadener Alpen. Endlich Tageslicht. „Der Verunglückte ist an die Oberfläche gebracht worden und wird notfallmedizinisch versorgt“, heißt es in einer ersten SMS der Bergwacht.

Dass die beispiellose Aktion klappt, war keineswegs sicher. Bis in die ersten Tage der Rettung hinein habe es Zweifel gegeben, „ob das gelingen kann“, räumt der Vorsitzende der Bergwacht Bayern, Norbert Heiland, jetzt ein. An den elf Tagen zuvor hat darüber niemand gesprochen. „Ich denke, dass man davon sprechen kann, dass in den vergangenen Tagen hier am Untersberg ein Stück alpine Rettungsgeschichte geschrieben worden ist.“

Bei einem Steinschlag hatte Westhauser am Pfingstsonntag in 1000 Metern Tiefe ein Brocken am Kopf getroffen, der Helm konnte den heftigen Schlag nur dämpfen. Der Forscher erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma - und hätte eigentlich sofort auf einer Intensivstation behandelt werden müssen. Doch bis der Transport aus der Tiefe beginnen konnte, vergingen Tage. Erst am vergangenen Freitag konnten die Helfer ihn auf eine Trage legen und starten. Sechs lange Tage waren sie mit ihm unterwegs.

Westhausers Kopf war beim Transport geschützt, Bilder zeigten ihn mit einem weißen Helm. Zwar bereiteten Dutzende Helfer den langen Weg nach oben bestens vor: Neue Seile wurden gezogen, Metallstifte als Tritte in den glitschigen Fels gebohrt, zusätzliche Haken gesetzt. Sie hielten Gischt aus Wasserfällen mit Planen ab, räumten loses Geröll weg. Aber Steinschlag ist nie ausgeschlossen.

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Beispiellose Rettungsaktion

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  • Der Gerettete wäre sicher reich geworden, wenn er von jedem Geld verlangt hätte, der ihn retten wollte. Es wäre eine gute Geschäftsidee, das als Event zu vermarkten.

  • Mein Dank und Glückwunsch an die mutigen Helfer.

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