Riesiger Felsspalt entdeckt
Am Eiger droht dramatischer Bergsturz

Gefahr am Eigner: In der Ostflanke des Schweizer Berges hat sich ein Riss aufgetan. Die instabilen Felsmassen an könnten sich bereits in den nächsten Tagen lösen. Die obere Spalte ist bis zu fünf Meter weit.

HB GRINDELWALD. Geologen rechnen damit, dass die Felsnase an der Ostflanke des Eigers in den nächsten Tagen auf den Unteren Grindelwaldgletscher donnern könnte. Genauere Aussagen seien erst nach weiteren Messungen möglich. Immer rascher bewegte sich in den vergangen Tagen am Eiger die absturzgefährdete Felsnase nach vorne und unten. Von gewaltigen Verschiebungen sprach auch der Grindelwalder Bergrettungsführer Kurt Amacher, der für die Berner Oberländer Gemeinde den Fachausschuss für Naturgefahren leitet.

Als Grund für die Destabilisierung des Gesteins, aus dem sich seit dem 18. Juni stets kleine und größere Felsstürze lösten, gab Keusen den Rückgang des Unteren Grindelwaldgletschers an. „Mit dem Gletscherrückgang verlor die Partie ihre Stütze - in den vergangenen 50 bis 100 Jahren ist das ewige Eis um mindestens 100 Meter Höhe zurückgegangen,“ bestätigten Geologen einen Bericht der „Neuen Zürcher Zeitung“. Zudem konnte Wasser in die nun bröckelnde Ostflanke des Eigers eindringen und den erheblichen Druck erzeugen, der vor knapp drei Wochen zur ersten Absprengung sowie den fortlaufenden Felsbewegungen und Felsstürzen geführt hatte.

Seit 18. Juni sind von der Eiger-Ostflanke bereits bis zu 4000 Kubikmeter Fels heruntergekommen. Wanderer in der Region hatten zuletzt immer wieder kleinere Felsstürze beobachtet. Der erwartetet "Superabbruch" zieht nun zusätzliche Touristen an den Berg. „Die Wetterprognosen sind gut, und mancher will sich dieses Naturschauspiel natürlich mal aus aller Nähe ansehen“, sagt Hansruedi Burgener, Wirt vom „Bäregg“ in fast 1800 Meter Höhe im Schweizer Grindelwald.

Am Eiger lässt sich in diesen Tagen erahnen, was die Klimaerwärmung für den Alpenraum bedeuten kann. Nicht nur die Geltscher schmelzen - auch die Bergbahnen stehen auf immer unsicher werdendem Grund. Felsstürze kommen nun in immer kürzeren Intervallen. Es gebe zwar Staub und Lärm und kleinere Erdbeben. Auf keinen Fall bestehe aber eine Gefahr wie etwa an der Gotthardautobahn, wo rund 6000 Kubikmeter Felsen weggesprengt werden mussten, sagen Experten. Dort hatten Felsstürze Ende Mai ein deutsches Ehepaar getötet.

In Grindelwald stürzen die Felsen auf den unteren Grindelwaldgletscher, kurz bevor sich das Tal am Gletscherende zu einer Schlucht verengt. Mittlerweile hat der Bergschutt die Gletscherzunge teilweise schon verdeckt.

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