Rio de Janeiro
Mit dem Panzer ins Elendsviertel

Rio de Janeiro soll sicherer werden, schließlich sind 2014 die Fußball-WM und 2016 die Olympischen Spiele zu Gast in Brasilien. Um den Zuckerhut der Gewalt von kriminellen Banden zu entreißen, rückten Armee und Polizei mit Panzern in die Elendsviertel der brasilianischen Metropole ein.
  • 1

HB RIO DE JANEIRO. Mit einer Großoffensive will die brasilianische Polizei die Kontrolle über die Elendsviertel von Rio de Janeiro zurückgewinnen. Mit gepanzerten Fahrzeugen der Marine und unter dem Schutz von Hubschraubern rücken die Sicherheitskräfte immer weiter in die von Drogenbanden seit Jahrzehnten beherrschten Stadtteile im Norden und Westen der Millionenmetropole vor und liefern sich blutige Feuergefechte mit Kriminellen.

"Vila Cruzeiro gehört wieder zum Staat", sagte der Vizechef der Polizei, Rodrigo de Oliveira im Fernsehen. Dort waren zuvor Bilder zu sehen, wie hunderte Mitglieder von Drogenbanden mit ihren Waffen in den benachbarten Slum Alemão flohen. Das Verteidigungsministerium kündigte unterdessen an, das Militär werde 800 Soldaten, zwei Helikopter und zehn Panzer zu Verstärkung der Polizei entsenden.

Wie die Behörden mitteilten, wurden bei Straßenkämpfen am Donnerstag acht Menschen getötet, ein Polizist wurde verwundet. Damit ist die Zahl der Toten seit Beginn einer Welle von Razzien am Sonntag auf mindestens 23 gestiegen. Bei den meisten Opfern soll es sich um Bandenmitglieder handeln. In fast 30 Slums wurden mehr als 150 Verdächtige festgenommen.

Der Stadtminister für Sicherheit, José Mariano Beltrame, betonte, keine Polizei der Welt wäre imstande gewesen, das zu leisten, was die brasilianische Polizei geschafft habe. "Wir haben das Territorium erobert, das ihnen als Zufluchtsort diente, den mit Kriegswaffen gesicherten Ort, zu dem sie immer dann wie Feiglinge flohen, nachdem sie ihre Verbrechen begangen hatten", sagte Beltrame.

Nach Angaben der Behörden sollen am Freitag Bundespolizisten in die Elendsviertel einrücken, um sie vor erneuten Angriffen der kriminellen Banden zu schützen. Mindestens 350 Beamte einer Eliteeinheit der Polizei von Rio de Janeiro seien in dem Slum Vila Cruzeiro stationiert worden. Im Fernsehen waren am Donnerstag Luftaufnahmen gezeigt worden, auf denen Dutzende schwer bewaffnete Drogenhändler zu sehen waren, die aus Vila Cruzeiro durch mit Dschungel bewachsene Hügel in eine benachbarte Hochburg der Kriminalität, Alemao, flohen. Ob die Sicherheitskräfte ihre Offensive am Freitag auf Alemao ausdehnen, wollten die Sicherheitskräfte nicht bekannt geben.

Seite 1:

Mit dem Panzer ins Elendsviertel

Seite 2:

Kommentare zu " Rio de Janeiro: Mit dem Panzer ins Elendsviertel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Abgesehen davon, daß die Aktion den Ursprung der Kriminalität nur mäßig schwächt, hätte das Ganze schon vor 15 Jahren geschehen müssen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%