„Risikobär“ muss jetzt um sein Leben fürchten
„Bruno“ wird zum Ausflugsziel

Mitten im bayerischen Urlaubsgebiet nahe dem Spitzingsee ist Braunbär „Bruno“ von Radfahrern und Wanderern gesehen worden.

HB MIESBACH/KUFSTEIN. Am Samstagnachmittag sei der Bär drei Mountainbikern am Soinsee im Landkreis Miesbach begegnet, sagte Bayerns Bärenbeauftragter Manfred Wölfl am Sonntag der dpa in München. Anschließend habe er den See durchschwommen.

Später beobachteten drei Wanderer im Rotwandgebiet von einer Bergwachthütte aus, wie „Bruno“ ins Gebirge aufstieg. Die drei verfolgten ihn, woraufhin sich der Bär zu ihnen umdrehte und sie den Rückzug antraten. Gegen Abend riss der Bär in der Gegend ein Schaf.

Wölfl kritisierte das Verhalten der Menschen, die dem Bären begegnet waren, schwer. Den Bären zu verfolgen sei „wie Bungee- Jumping ohne Seil“. Grundsätzlich dürfe nichts getan werden, was den Bären provozieren kann. „Ruhig bleiben und dem Bären ausweichen“ laute die Devise. Der Bär war zuvor am Freitag bei Thiersee nahe Kufstein (Österreich) gesehen worden. Dort hatte er einen Schafwidder gerissen.

Das finnische Team, das den herumwildernden Bären mit Spezialhunden aufspüren und einem Schuss aus dem Betäubungsgewehr lebend fangen sollte, brach bereits am Freitag seine Suchaktion vorzeitig ab: Sowohl die Finnen als auch ihre Hunde hätten nach fast zwei Wochen Suche im Gebirge ihre physischen Belastungsgrenzengrenzen erreicht.

Anders als Tirol überlege Bayern, Jagdteams auf den Bären anzusetzen, falls dieser gesichtet werde, kündigte der bayerische Umweltstaatssekretär Otmar Bernhard an. „Wir werden dies kommende Woche prüfen“, betonte der CSU-Politiker, der das Tier mit dem offiziellen Namen „JJ1“ zugleich „einen ausgesprochenen Risikobären“ nannte. Allerdings sei nicht geplant, dem Bären nachzustellen oder Fährten zu suchen. Stattdessen werde geprüft, ob in den betroffenen Landkreisen Bärenteams „aus einigen Jägern zusammengestellt werden können, die alarmiert werden und dann zusammenkommen“, sagte Bernhard.

Der Tiroler Forstminister Anton Steixner versicherte dagegen, dass es in Österreich keine aktive Jagd oder eine Hatz auf den Bären geben werde. „Wir wollen keinen solchen Jagdtrupp zusammenstellen“, sagte er. Stattdessen werde an die Berufsjäger und Jagdaufseher appelliert, den Bären bei einer zufälligen Begegnung auf der Wildjagd „kurz und schmerzlos zu erlegen“.

Steixner betonte ebenso wie sein bayerischer Kollege, dass von dem Bären inzwischen eine große Gefahr für den Menschen ausgehe, die nicht mehr zu verantworten sei. „Wir sehen den Abschuss als einzige Möglichkeit, dieses Problem zu lösen“, sagte der Tiroler. „Ich weiß, dass das keine populäre Entscheidung ist.“ Er erwarte in den nächsten Wochen Drohbriefe und unangenehme Mails: „Aber im Zweifel ist mir der Schutz der Menschen lieber als der Schutz eines Wildtiers“, fügte der Minister hinzu.

Ab Montag werde es in Tirol eine Abschussgenehmigung für alle Gebiete nördlich des Inns geben. Die Abschusserlaubnis auf bayerischer Seite werde voraussichtlich am Dienstag in Kraft treten. Wir haben alle Bemühungen unternommen, um den Bären zu fangen“, rechtfertigte der bayerische Staatssekretär Bernhard das Vorgehen.

Der Tiroler Landesjägermeister Paul Steixner erklärte, die österreichischen Jäger seien ursprünglich gegen die Abschussentscheidung gewesen, würden sie jedoch nicht boykottieren. „Das ist eine politische Entscheidung“, sagte der Bruder des Forstministers. Es könne aber nicht abgeschätzt werden, wie lange es dauert, dass der Bär einem Jäger vor die Flinte kommt. „Begegnungen von Jägern, die zum Abschuss ermächtigt sind, sind durchaus wahrscheinlich“, erklärte er. „In den vergangenen Wochen hat es Begegnungen gegeben, wo Jäger ohne weiteres in der Lage gewesen wären, den Bären zu erlegen“, fügte er hinzu.

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