Rohstoffdiebe
Der Schrottklau geht um

Viele Metalle sind heute zwei- bis dreimal so teuer wie noch vor zwei Jahren. Die stark gestiegenen Rohstoffpreise treiben Diebesbanden um. Sie stehlen Gullydeckel, Kupferkabel und Gleisanlagen – Besuch auf einem Schrottplatz.

ROSTOCK. Das grüne Gitter neben dem Eingangstor haben die Diebe einfach abgeschraubt. Ein Auto passt nun gerade so durch. Bis hinter das Lagerhaus des Schrottplatzes sind die Männer dann den Weg entlanggefahren. Sie kletterten durch ein offenes Fenster und holten eine halbe Tonne Kupferkabel raus.

Es war nicht das erste Mal, dass Kriminelle beim Entsorgungsunternehmen Interseroh MAB in Rostock einbrachen. Metalldiebstahl ist angesagt, seit die Rohstoffpreise immerfort steigen. Viele Metalle sind heute zwei- bis dreimal so teuer wie noch vor zwei Jahren.

„Sie nehmen einfach alles mit“, erzählt Jürgen Schneider, Geschäftsführer von 12 Interseroh-Filialen und Schrottplätzen in Mecklenburg-Vorpommern. Besonders beliebt seien Kupfer und Aluminium. An die 15 Einbrüche im Jahr zählen Schneiders Mitarbeiter in den Zweigstellen von Interseroh allein entlang der Ostsee. Inzwischen ist die gesamte Branche betroffen. So wurde aus mehreren Windkraftanlagen Mecklenburg-Vorpommerns meterweise Kupferkabel gestohlen. Im brandenburgischen Lauchhammer verschwanden 160 Aluminiumfässer. In Hessen erwischte die Polizei einen LKW-Fahrer mit 13 Gullydeckeln auf der Ladefläche. Und aus einem Bremer Vorgarten stahlen Diebe zuletzt gar eine 400 Kilo schwere Schiffsschraube, die dort zu Dekorationszwecken abgelegt war.

Schrotthändler zahlen derzeit für 100 Kilo Kupfer zwischen 500 und 600 Euro. Bei Aluminium reicht die Spanne je nach Sorte von 100 bis 180 Euro. Der Preis für Messing bewegt sich zwischen 150 und 350 Euro.

Auch das lockt die Einbrecher: Täglich steigen die Barbestände bei Interseroh und der Konkurrenz. Einmal versuchten die Diebe vergeblich, den Tresor des Schrottplatzes am Hochseehafen, Schneiders zweiter Betriebsstätte in Rostock, gleich vollständig mitzunehmen. Sie wollten den Stahlschrank aus der ersten Etage werfen. Der Plan scheiterte, weil der Safe nicht durchs Fenster des Bürohauses passte.

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