Rohstoffe werden teurer
Agrarmärkte boomen – Lebensmittelpreise steigen

Was den vielen Bauern die Kassen füllt sorgt derzeit für viel Ärger bei den Verbrauchern. In diesem Jahr sind zahlreiche Lebensmittel teurer geworden. Und auch 2008 dürfte sich die Preisspirale weiter nach oben drehen.

HB BERLIN. Von Januar bis Oktober mussten die Bundesbürger fast 14 Prozent mehr für Butter zahlen als im Vorjahreszeitraum. Milch wurde nach Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) im Handel um mehr als acht Prozent teurer, Brot immerhin um etwa drei Prozent. Agrarexperten rechnen mit weiter steigenden Rohstoffpreisen, aber nicht in dem Ausmaß wie in diesem Jahr.

Die Landwirte verteidigen die höheren Erzeugerpreise. "Unsere Bauern haben die Preissteigerungen bitter nötig", sagt Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. Die Landwirtschaft boomt. Die Stimmung unter den Bauern verbessert sich stetig. "Dieser Sektor brummt", sagt Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU). "Das Konjunkturbarometer im Agrarbereich steht auf dem höchsten Stand, seit es die Aufzeichnung gibt."

Das Agrarbarometer - eine Umfrage unter Landwirten seit dem Jahr 2000 - war bis 2005 allmählich ins Minus gerutscht. Seitdem zeigt das Barometer stetig nach oben. Optimismus herrscht besonders bei Ackerbauern und Milchbauern, nur die Schweinehalter klagen wegen einer Preisflaute.

Der Stimmungsumschwung hat nach Ansicht des Deutschen Bauernverbands zwei Gründe: der schwindende Einfluss der EU auf Nahrungsmittelmärkte und mehr Dynamik an den Weltagrarmärkten. Während die Bauern für Milch in den vergangenen Jahren immer weniger bekamen, explodierten die Kosten für Futtermittel regelrecht. Der Getreidepreis stieg auf ein Rekordniveau.

Weil die Märkte zusammenhängen, legte der Preis für ein Päckchen Butter im Handel von 77 Cent auf 1,20 Euro zu - nach Jahren der Niedrigpreise so viel wie 1984. "Die Nachfrage weltweit ist in den letzten Jahren stärker gestiegen als das Angebot", sagt die Leiterin des Bereiches Milch bei der ZMP, Monika Wohlfahrt. Das gilt besonders für asiatische Länder wie China und Indien. Butterberge und Milchseen gehören der Vergangenheit an. "Das ist der Grund für die extremen Ausschläge", sagt die Milchexpertin.

Zur steigenden Nachfrage kamen schlechte Ernten wegen Wetterextremen und der zunehmende Anbau von Energiepflanzen als Brenn- und Kraftstoff. Die Milchbauern werden im Dezember oder Januar voraussichtlich 40 Cent für einen Liter Milch erhalten - das hatten sie auch gefordert. Das Bundeskartellamt nimmt die drastischen Milchpreiserhöhungen in Supermärkten und Discountern unter die Lupe.

Fast jede Woche kommen neue Ankündigungen von Preiserhöhungen auf die Verbraucher zu. Bier, Süßwaren - all dies soll nach Ansicht der Produzenten teurer werden. "Von den steigenden Preisen müssen in erster Linie die Bauern profitieren", fordert die Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn. Ein Lichtblick für Verbraucher: Fleisch ist im laufenden Jahr günstiger gewesen als im Vorjahr. Doch auch dies könnte sich ändern: Die Marktexperten der ZMP rechnen damit, dass die Preise für Schlachtschweine wieder zunehmen und das Angebot kleiner wird. Doch was die Verbraucher letztlich im Handel zahlen müssen, ist noch offen.

Der Einzelhandel rechnet mit einer Abschwächung des Preisanstiegs. "Die Verbraucher haben nach allen jetzt vorliegenden Erkenntnissen das Schlimmste hinter sich bei den Lebensmitteln", sagt der Geschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr. "Es wird im nächsten Jahr weit moderater ablaufen."

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