Rosenmontagsumzüge: Tabubruch in Düsseldorf

Rosenmontagsumzüge
Tabubruch in Düsseldorf

Dass der Düsseldorfer Rosenmontagszug jedes Jahr mit einem provozierenden Wagen aufwartet, ist bekannt. Doch diesmal haben die Karnevalisten in der Rheinmetropole gleich mehrere Tabu-Themen angerissen: Ein Hitler mit heruntergelassener Hose ist nicht die einzige Darstellung, die auf öffentliche Kritik stoßen dürfte.

HB DÜSSELDORF. Ein Düsseldorfer Wagen zeigt zwei bis an die Zähne bewaffnete Mullahs. Beide sehen genau gleich aus, nur vor dem einem steht „Klischee“, vor dem anderen „Wirklichkeit“. Auf einem anderen fährt Adolf Hitler mit heruntergelassener Hose und scheidet die NPD als stinkende Nachgeburt aus. Auf einem dritten Wagen riecht US- Präsident George W. Bush beim iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad an der „Achsel des Bösen“.

Bezüglich der gewagten Mullah-Darstellung ist den Düsseldorfern bereits erste Kritik entgegen geschlagen. Aiman A. Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), sagte in Köln: „Mit Humor hat das nichts zu tun. Ich lese die Message so: Wir lieben unsere Vorurteile, wir verteidigen unsere Vorurteile - notfalls mit platten Lügen. Als geborener Rheinländer sehe ich das gelassen. Ich bin mir sicher, dass die Mehrheit der Jecken nicht dafür ist, dass ein islamverachtender Zynismus salonfähig gemacht wird.“ Für den Hitler-Wagen bedurfte es sogar besonderer Sicherheitsmaßnahmen: Aus Angst vor rechtsextremen Angriffen wurde die Figur erst wenige Minuten vor dem Start des Zuges am Mittag enthüllt.

Diese umstrittenen Darstellungen sind aber nur ein kleiner Ausschnitt aus dem bunten Treiben auf Deutschlands Straßen: Die meisten Mottowagen sind politisch zahm geblieben. Millionen Kostümierte feiern ausgelassen. Die meisten von ihnen wohl in Köln: Dort werden bis zum Abend eine Million Karnevalisten erwartet. Auch das Wetter spielt weiter mit. Zwar ist es trüb, aber trocken. Und angesichts der Temperaturen von bis zu 10 Grad fällt das Warm-Schunkeln nicht ganz so schwer.

Mögen die Düsseldorfer auch die Provokantesten beim Rosenmontagszug sein, die Schnellsten sind sie sicher nicht: So setzte sich der Kölner Zug auch in diesem Jahr bereits wieder um kurz vor elf Uhr in Bewegung – zwei Stunden vor dem Start in Düsseldorf. Unter dem Motto „Mir all sin Kölle“ („Wir alle sind Köln“) setzten sich 99 Wagen, 124 Musikkapellen und 440 Pferde in Bewegung. Damit ist der „Zoch“ länger als die zu absolvierende Strecke. „Alles läuft bestens, die Stimmung ist super“, sagte Sigrid Krebs, Vorstandsmitglied des Festkomitees Kölner Karneval.

Der Start des Zuges vor elf Uhr? Das kam in Mainz nicht in Frage. Wie gewohnt pünktlich um 11.11 Uhr machten sich in der Hauptstadt des Rheinlands 9400 Teilnehmer und 150 Motto-Wagen auf ihren sieben Kilometer langen Weg. Traditionell an der Spitze des Zuges: Die Mainzer Ranzengarde. Zehntausende beobachteten schunkelnd das Spektakel.

In nicht ganz so großen Dimensionen, aber nicht wengier einfallsreich präsentierte sich der Umzug in Aachen: Dort bildeten rund 4500 Jecken die Parade unter dem Zepter von Prinz Roger I. Traditionsgemäß verzichteten die Aachener auf ein Motto. 126 Gruppen, 21 Kapellen und drei Pferdegruppen unterhielten die Schaulustigen an den Straßen mit heißen Rhythmen, „Alaaf“ und Tänzchen. Beim fünf Kilometer langen närrischen Lindwurm durch die Kaiserstadt ließen die „Oecher“ (Aachener) die Politik links liegen. Clowns, Marktfrauen, Schneewittchen und die sieben Zwerge, Teufel, Musketiere und Vampire hatten das Sagen.

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