Rotlicht-Skandal
Haftstrafe für Düsseldorfer Bordellbesitzer

In Düsseldorfer Bordellen sind reihenweise Freier mit K.o.-Mitteln betäubt und finanziell ausgeplündert worden. Nach mehr als vier Jahren Verhandlung ist jetzt der einstige Boss der Bordelle verurteilt worden.
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Düsseldorf„Die Freier sind abgezogen worden“, sagt der Vorsitzende Richter Markus Fuchs. Mal fehlten 5100, mal 22.000 Euro auf dem Konto, als die Bordellbesucher wieder bei Sinnen waren. Starke K.o.-Mittel hatten sie außer Gefecht gesetzt. In einem Fall wurden sie schon mit dem Begrüßungsgetränk verabreicht – davon ist das Düsseldorfer Landgericht inzwischen überzeugt.

Hintermann und Drahtzieher des Düsseldorfer Rotlicht-Skandals sei der damalige Bordell-Chef Thomas M. (52) gewesen. „Er hatte die Befehlsgewalt, das alleinige Sagen“, sagt Richter Fuchs. Dafür bekommt M. am Freitag acht Jahre und einen Monat Haft wegen schwerer räuberischer Erpressung, gefährlicher Körperverletzung sowie gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs.

Nach mehr als vier Jahren Verhandlungsdauer, gut 200 Zeugenvernehmungen und 316 Prozesstagen endet damit der längste Strafprozess des Landgerichts seit mehr als 30 Jahren: Nur der Mammutprozess um die Vorgänge im KZ Majdanek dauerte noch länger: von 1975 bis 1981.

Das Gericht hatte schwierige Beweisfragen zu untersuchen und eine Riege von Verteidigern ließ wenig unversucht, die Ermittlungsergebnisse in Zweifel zu ziehen.

Oft waren die Freier schon sichtbar angeheitert nach stundenlanger Zechtour ins Bordell gekommen: „Wir mussten Alkohol als Ursache für ihren Erinnerungsverlust ausschließen“, berichtet der Richter über die Schwierigkeit der Beweisführung. Das gelingt nicht immer - wie im Fall eines schwedischen Professors, der wegen seiner Trunkenheit in Düsseldorf aus dem Flugzeug geworfen und vom Weiterflug ausgeschlossen worden war.

Er „strandete“ im Bordell und wurde in Düsseldorf um einiges ärmer. Ob es dabei mit rechten Dingen zuging oder nicht, ließ sich letztlich nicht mehr klären, zumal der Professor nicht mehr lange lebte.

Der Gefahr, Trittbrettfahrern auf den Leim zu gehen, die sich die Rechnungen für ihre Gelage rückerstatten lassen wollten, war sich das Gericht durchaus bewusst. Manche gekritzelte Unterschrift auf einem Kreditkarten-Beleg konnte wahlweise als Fälschung, Indiz für Betäubung oder schlicht üppigen Alkoholkonsum gedeutet werden, wie Fuchs sagt.

Aus den Bordellen sei sogar bei Banken und Kreditkarten-Instituten angerufen worden, um erreichte Limits außer Kraft zu setzen. Ob dies die Kartenbesitzer bei vollem Bewusstsein oder Bordellmitarbeiter mit illegalem Auftrag waren, habe sich nicht klären lassen.

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Prostituierte griff zum falschen Glas

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