Rumproduktion wird knapp
Fidel Castro kommt wieder auf den Zucker

Aufgrund steigender Weltmarktpreise schickt Fidel Castro die Kubaner zurück an die Zuckerfront. Vor knapp einem Jahr hatte der Revolutionsführer noch das Ende der Zuckerproduktion auf Kuba ausgerufen. Inzwischen ist auch das Nationalgetränk knapp.

HB HAVANNA. Vor genau einem Jahr hatte Präsident Fidel Castro das Ende der 300jährigen Geschichte der Zuckerinsel Kuba ausgerufen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion war der größte und verlässlichste Abnehmer des kubanischen Zuckers weg gefallen und die Produktion des weißen Goldes auf der größten Antilleninsel Jahr für Jahr zurückgegangen. Vor wenigen Tagen musste der ergraute Revolutionsführer erkennen, dass er das Ende zu früh proklamiert hatte. Weil in den vergangenen Monaten die Zuckerpreise auf dem Weltmarkt gestiegen sind, will Kuba seine früheren Zuckerrohrfelder rasch wieder rekultivieren. Denn: Wegen des Zuckermangels ist auch die Produktion dem Rums eingebrochen.

„Dieses Land wird niemals wieder vom Zucker leben.“ Mit dieser grundsätzlichen Feststellung hatte Castro im März des vergangenen Jahres seine Landsleute überrascht. „Diese Kultur gehörte in die Zeit der Sklaverei und in die Zeit eines Volkes voll von halben Analphabeten“, hatte er erklärt. Die wirtschaftliche Zukunft gehöre den Dienstleistungen und den Produkten mit größerem Wert - vor allem dem Öl. Diese Erkenntnis soll nun so nicht mehr gelten. Die Kubaner müssen wieder zurück in die von Castro gerade verteufelten Zeiten. Nach Angaben des Zuckerministers, Ulises Rosales del Toro, wurde in der vergangenen Woche die Zuckerproduktion von 7000 auf 14 000 Tonnen verdoppelt. „Stimulierend“ für die Ausweitung sei eine von Castro geleitete Sitzung der Regierung und der Kommunistischen Partei im Februar gewesen, sagte der Minister. Dort forderte der kubanische Präsident rasches Handeln. Alle Mittel sollten auf die Zuckerrohrernte konzentriert werden, berichtete das Parteiorgan „Granma“.

Laut Plan will Kuba 2006 insgesamt 1,5 Millionen Tonnen Zucker herstellen (2003: 2,5 Millionen Tonnen), davon 700 000 Tonnen für den eigenen Gebrauch. Doch ob das zu schaffen sein wird, ist nach Meinung von Experten fraglich. Die Zuckerfabriken sind veraltet und teilweise in einem ruinösen Zustand. Im Rahmen der Umstrukturierung wurde seit 2002 die Hälfte der Anlagen stillgelegt, 62 Prozent der Flächen für den Anbau anderer Kulturen verwendet und 120 000 Arbeiter umgeschult. In den guten alten Zeiten hatte die Zuckerindustrie rund 500 000 Arbeitern ein Auskommen gegeben, insgesamt lebten rund zwei Millionen Menschen von ihr. In den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden im Schnitt pro Jahr sieben Millionen Tonnen produziert, in den 90er Jahren sank die Produktion auf vier Millionen Tonnen, und 2003 erbrachte die Zuckerernte nur noch 2,5 Millionen Tonnen.

Eine besonders empfindliche Folge des Niedergangs der Zuckerindustrie haben die Kubaner bereits zu spüren bekommen: Wegen des Mangels an aus Zucker hergestelltem Alkohol herrsche nun auch Mangel an Rum, berichtete die Wochenzeitung der Gewerkschaften „Trabajadores“. Im Januar 2006 waren nur 248 000 Liter des Nationalgetränks in Havanna verkauft worden, rund 200 000 Liter weniger als im Jahr zuvor. „Die Konsumenten hoffen auf eine schnelle Lösung des Problems“, hieß es.

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