Ruslands alte Atom-U-Boote
Tickende radioaktive Zeitbomben

Die ausgemusterten Atom-U-Boote an der russischen Nordküste stellen eine der größten Umweltgefahren für die fischreichen Randgewässer des Nordpolarmeeres dar.

HB/dpa MOSKAU. Das Atom-U-Boot „K-159“, das Samstag früh beim Schlepp durch die Barentssee sank, war nur eines von immer noch 71 Booten, die auf ihre Verschrottung warten. Sie dümpeln seit eineinhalb Jahrzehnten mit Reaktoren an Bord in Marinebasen entlang der Küste der Kola-Halbinsel - notdürftig mit Pressluft über Wasser gehalten.

Der radioaktive Müll der ausgemusterten U-Boote der Nordflotte beträgt nach Einschätzung der norwegischen Umweltschutzorganisation Bellona 14 000 Kubikmeter Feststoffe und 10 000 Kubikmeter Flüssigkeiten. Der strahlende Abfall wird teilweise äußerst unsicher gelagert.

Von 113 ausgemusterten U-Booten der russischen Nordflotte sind in den letzten Jahren nur 32 vollständig verschrottet worden. Aus weiteren zehn Booten wurden die Reaktoren entfernt. Die gefährliche Arbeit der Verschrottung und Entsorgung geht so langsam voran, weil der russischen Armee das Geld fehlt. Der gesamte Prozess koste etwa vier Mrd. $ (3,6 Mrd Euro), sagte der russische Vize- Atomminister Sergej Antipow in diesem Frühjahr. Norwegen, die USA, Kanada, Großbritannien und andere Länder unterstützen die Abrüstung finanzielle oder technisch.

Die gesunkene „K-159“ gehörte zur ersten Generation sowjetischer Atom-U-Boote, der Projekt 627- oder Kit-Klasse (NATO-Bezeichnung: November). Sie war 107,4 Meter lang, hatte voll getaucht eine Verdrängung von 4750 Tonnen und wurde von zwei Reaktoren mit je 70 Megawatt Leistung angetrieben. Von 1963 bis 1989 gehörte die „K-159“ zur sowjetischen Nordflotte und hätte im Kriegsfall NATO- Schiffsverbände im Atlantik bekämpfen sollen.

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