Russischer Airbus über Ägypten abgestürzt
Islamischer Staat will Flugzeug abgeschossen haben

Ein russischer Ferienflieger zerschellt über der Sinai-Halbinsel. Alle 224 Menschen an Bord sind tot. Kremlchef Putin ordnet Staatstrauer an. Der Islamische Staat twittert, er habe das Flugzeug abgeschossen.

KairoEin russisches Passagierflugzeug mit mehr als 200 Menschen an Bord ist auf der Sinai-Halbinsel abgestürzt. Das teilte das ägyptische Luftfahrtministerium am Samstag mit. Bereits Minuten nach dem Start im Urlaubsort Scharm el Scheich der Kontakt zu dem Flugzeug der sibirischen Gesellschaft Kolaviasei abgerissen. An Bord sollen vor allem russische Urlauber gewesen sein: 200 Erwachsene, 17 Kinder und sieben Besatzungsmitglieder, wie die russische Nachrichtenagentur RIA unter Berufung auf die heimische Flugsicherung berichtete.

„Rettungskräfte haben Trümmerteile des Airbus 321 gefunden“, sagte der Chef der ägyptischen Flugunfallbehörde, Ajman al-Mokdam. Die Russische Luftfahrtbehörde teilte mit, die Maschine sei „vom Radar verschwunden“. Ihren Angaben zufolge war die Maschine vom Typ A-321 unterwegs vom Scharm el Scheich nach St. Petersburg. Dort wurde sie um 10.10 Uhr MEZ (12.10 Uhr Ortszeit) erwartet.

Der Airbus A321 sei in einer Bergregion zerschellt, teilte das Luftverkehrsministerium in Kairo mit. Das Flugzeug sei zerstört, sagte ein Vertreter der Sicherheitsbehörden am Unglücksort. Es gebe kaum Hoffnung auf Überlebende. Hinweise, dass es abgeschossen worden sein könnte, habe man nicht. In der Region kommt es immer wieder zu Anschlägen von Islamisten, die in Verbindung zur Extremistenmiliz IS stehen.

Der Islamische Staat teilte via Twitter mit, die Maschine abgeschossen zu haben. Die „Soldaten des Kalifats haben es geschafft, ein russisches Flugzeug in der Provinz Sinai“ abzuschießen, erklärte die IS-Gruppe. Die mehr als 220 „Kreuzzügler“ an Bord der Maschine seien getötet worden. Der Abschuss sei eine Racheaktion für die russische Intervention in Syrien. Russland hat Ende September mit Luftangriffen in Syrien begonnen. Die USA werfen Moskau aber vor, dabei nicht in erster Linie den IS zu bekämpfen, sondern vor allem gemäßigte Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.

Die Flugroute führte über Sinai-Gebiete, wo der „Staat Sinai“, eine Filiale des Islamischen Staates, operiert. Die Extremisten verfügten auch über Raketen, bilang allerdings nur über solche, die nur niedrig fliegende Flugzeuge und Helikopter treffen könnten.

Vor zwei Jahren hatte die niederländische Chartergesellschaft Transavia Scharm el Scheich für einige Monate aus ihrem Flugplan gestrichen, weil der niederländische Geheimdienst den Hinweis erhalten hatten, dass Terroristen eine Zivilmaschine mit einer Boden-Luft-Rakete abschießen wollen.

Wie die Deutsche Presse-Agentur am Samstag aus Sicherheitskreisen erfuhr, schlossen die Behörden einen Terrorangriff aus: „Der Unfall war das Ergebnis eines technischen Problems“, sagte ein Behördenmitarbeiter, der anonym bleiben wollte. Ein Flugschreiber sei bereits gefunden worden.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat Experten nach Ägypten entsandt. Katastrophenschutzminister Wladimir Puschkow werde den Einsatz am Unglücksort koordinieren, erklärte dessen Ministerium am Samstag. Das russische Ermittlungskomitee untersucht gleichzeitig nach eigenen Angaben, ob Sicherheitsbestimmungen verletzt wurden. Der Kreml erklärte den 1. November zum Tag der Trauer.

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