Säuglingssterben in der Dominikanischen Republik
Elf tote Babys in drei Tagen

In einem Krankenhaus in der Dominikanischen Republik starben im Oktober auffallend viele Babys. Krankenhauskeine, Ausfälle der Beatmungsgeräte und andere Mängel im Gesundheitssystem des armen Landes seien Schuld.
  • 0

Santo DomingoRosa Elba Santana begreift immer noch nicht, was passiert ist. Vor wenigen Wochen brachte die Dominikanerin ihre beiden Babys ins Krankenhaus. Ihr Sohn atmete schwer, ihre Tochter hatte Bauchschmerzen. Wenige Tage später waren die Zwillinge tot. Sie wurden nur einen Monat alt.

Rosanna und Isaac starben im staatlichen Kinderkrankenhaus Robert Reid Cabral in Santo Domingo. Die 300 Betten zählende Klinik ist eine der wenigen medizinischen Einrichtungen in der Hauptstadt der Dominikanischen Republik, an die sich Menschen ohne Geld und ohne Krankenversicherung im Notfall wenden können.

„Ich habe sie nur zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht und nicht, weil es etwas Schlimmes war“, sagt die 20-jährige Santana, die mit ihrem älteren Sohn, ihrer Mutter und einer Schwester in einem Elendsviertel am Rande von Santo Domingo lebt. „Man hat mir gesagt, ich soll dort hingehen, weil sie da Spezialisten haben.“

Rosanna und Isaac waren nicht die einzigen Babys, die Anfang Oktober im Robert Reid Cabral gestorben sind. Innerhalb von nur drei Tagen gab es elf Todesfälle. Diese Häufung rückte eine der wichtigsten medizinischen Institutionen der Dominikanischen Republik in den öffentlichen Fokus. Zugleich werden grundsätzliche Fragen nach der Qualität der medizinischen Versorgung in dem armen karibischen Land laut.

Präsident Danilo Medina hat eine Kommission zur Untersuchung der Todesfälle eingesetzt. In einem ersten Bericht heißt es, vier der elf Kinder seien an Infektionen gestorben, die sie sich im Krankenhaus zugezogen hätten, darunter Santanas Zwillinge. Vier weitere Todesfälle seien auf Mängel in der medizinischen Versorgung zurückzuführen, darunter mehrstündiger Ausfall des Systems, das die Beatmungsgeräte mit Sauerstoff versorgt. In nur einem der untersuchten Fälle wurde dem Patienten nach Einschätzung der Kommission eine angemessene Versorgung zuteil.

Infolge dieser Erkenntnisse musste unter anderem der Gesundheitsminister seinen Posten räumen. Auch die Direktorin des Krankenhauses, Rosa Nieves Paulino, wurde entlassen. Sie verteidigte sich mit dem Hinweis, in den letzten Jahren sei die Rate der Patientensterblichkeit zurückgegangen. Dennoch liegt sie drei Mal so hoch wie der landesweite Durchschnitt aller öffentlichen Krankenhäuser. Und abgesehen von den Ereignissen im Oktober gab es seit Juni mindestens zwei weitere Male eine auffällige Häufung von Todesfällen.

Kommentare zu " Säuglingssterben in der Dominikanischen Republik: Elf tote Babys in drei Tagen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%