Salmonellen-Verdacht gegen Bayern-Ei

Foodwatch kritisiert Legebetriebe

Foodwatch sieht Missstände in deutschen Legebetrieben. Die Hennen seien hochgezüchtet und anfällig für Krankheiten. Parallel wird bekannt: Eier aus Niederbayern haben möglicherweise einen Salmonellen-Ausbruch ausgelöst.
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Ein Salmonellen-Ausbruch in Europa mit zwei Toten und Hunderten Erkrankten könnte im vergangenen Jahr von dem Eierproduzenten in Niederbayern verursacht worden sein. Quelle: dpa
Legebetrieb Bayern-Ei

Ein Salmonellen-Ausbruch in Europa mit zwei Toten und Hunderten Erkrankten könnte im vergangenen Jahr von dem Eierproduzenten in Niederbayern verursacht worden sein.

(Foto: dpa)

Aiterhofen/BerlinEin bayerischer Eierproduzent steht im Verdacht, einen europaweiten Salmonellen-Ausbruch mit zwei Toten und Hunderten Erkrankten verursacht zu haben. Die Staatsanwaltschaft Regensburg prüft nach eigenen Angaben, ob die Firma Bayern-Ei im vergangenen Jahr „gefährliche Lebensmittel in den Verkehr gebracht hat“. Tierschützer kritisierten, das Unternehmen halte sämtliche Hennen in Kleingruppenkäfigen. Derweil prangerte die Verbraucherorganisation Foodwatch am Donnerstag Missstände auch in der Bio- und Freiland-Haltung an.

Oberstaatsanwalt Theo Ziegler betonte, bislang lägen keine gesicherten Erkenntnisse vor, dass durch die Eier aus dem Betrieb im niederbayerischen Aiterhofen Menschen zu Schaden gekommen seien. Sollte sich der Verdacht jedoch erhärten, würden die Ermittlungen auf fahrlässige Tötung ausgeweitet. Am Dienstag wurden Geschäftsräume des Unternehmens durchsucht und Unterlagen sichergestellt. Von der Firma Bayern-Ei gab es zunächst keine Stellungnahme.

Wo es Essen ohne Gentechnik gibt
Einkaufen im Bio-Supermarkt
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Verbraucher wollen keine Gentechnik. Etwa 83 Prozent der deutschen Verbraucher lehnen nach einer Forsa-Umfrage (Juni 2012) gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Ein Grund, warum es hierzulande kaum Lebensmittelhersteller gibt, die Zutaten aus Gen-Pflanzen direkt verarbeiten. Nicht ganz so erfreulich schaut es hingegen bei tierischen Artikeln wie Fleisch, Eiern und Milch aus, denn 80 Prozent der Gen-Pflanzen landen am Ende im Tierfutter.

Biobranche im Aufwind - großer Importbedarf
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Die Umweltorganisation Greenpeace präsentiert in ihrer neuen Broschüre „Essen ohne Gentechnik“ die Ergebnisse einer spannenden Untersuchung. Die Experten haben getestet, ob Markenhersteller bei tierischen Produkten Gen-Pflanzen im Tierfutter einsetzen und zeigen, welche Supermarktketten auf Produkte ohne Gentechnik setzen.

Alnatura Bio-Supermarkt
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Platz 1: Alnatura

Der südhessische Bio-Händler Alnatura schneidet am besten ab. Hier werden nur Produkte aus biologischer Produktion verkauft, die frei von Gentechnik sind. Die Naturkostkette vertreibt auch Bio-Lebensmittel unter einer eigenen Marke, die auch in Partnerschaft mit anderen Händlern wie dm, Tegut und Budni verkauft werden.

In der ökologischen Landwirtschaft sind Gentechnik in Lebensmitteln oder im Tierfutter sowie chemisch-synthetische Spritzmittel tabu. Auch die Tierhaltung erfolgt nach strengeren Kriterien und Kontrollen.

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Platz 1: Dennree

Der Bio-Großhändler Dennree, der seinen Hauptsitz im Nordbayrischen Töpen hat, teilt sich den ersten Platz mit Alnatura und setzt ebenfalls keine Gen-Pflanzen ein; auch in der Tierfütterung nicht. Mit einem Umsatz von 420 Millionen Euro hat Dennree im vergangenen Jahr ein zweistelliges Wachstum von 12,8 Prozent erreicht. Das 1974 gegründete Unternehmen gilt als Bio-Pionierunternehmen und startete damals mit vier Bio-Milchprodukten in den Handel. Inzwischen sind täglich gut 200 firmeneigene Lkws unterwegs, um über 1.300 Naturkostfachgeschäfte in Deutschland, Österreich, Luxemburg und Südtirol/Italien mit inzwischen über 11.000 Artikeln zu beliefern.

(Foto: Dennree GmbH)

Migros übernimmt tegut
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Platz 2: Tegut

Die deutsche Supermarktkette Tegut legt viel Wert auf Bio-Ware und Produkte ohne Gentechnik. Kunden, die in einem Tegut-Markt einkaufen, erkennen das an dem Logo auf den Produkten. Die Firma hat als erste Kette ihre Eigenmarken bei Milch, Sahne, Schmand und Joghurt mit dem „Ohne Gentechnik“-Siegel ausgezeichnet und betreibt sogar eine eigene Fleischerei für Schweineprodukte. Unter der Eigenmarke „LandPrimus“ garantiert Tegut eine gentechnikfreie Fütterung.

Andere Eigenmarken, bei deren Herstellung auf Gentechnik verzichtet wird, sind „tegut...Bio“, „Herzberger Bäckerei“ und „Rhöngut“. Außerdem alle Eiermarken.

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Platz 3: Aldi Nord

Bio-Lebensmittel vom Discounter sind beliebt und müssen nicht mehr teuer sein. Inzwischen gibt es auch bei Aldi eine Menge Natur-Lebensmittel. Im Greenpeace-Ranking landet Aldi Nord auf dem dritten Platz, weil der Konzern seit zehn Jahren bei der Geflügelfütterung auf Gentechnik verzichtet. Nur bei Schweine- und Rindfleisch könnte das Engagement wohl noch etwas mehr sein.

Mit „Gut Bio“ bietet Aldi Nord eine Eigenmarke an, bei deren Herstellung auf den Einsatz von Gentechnik verzichtet wird - das gilt auch für alle Eiermarken. Bei Hähnchen- und Putenfleisch sind es die Marken „Bauernglück“ und „Farmfreude“.

Aldi & Co: Die Discounter möbeln ihre Filialen auf
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Platz 4: Aldi Süd

Identisch sieht es bei dem Discounter Aldi Süd aus, der ebenfalls mit zusätzlichen Bio-Produkten mehr Kunden in seine Filialen locken will. Vor zehn Jahren hat sich das Unternehmen bei der Geflügelfütterung von Gentechnik verabschiedet. Nachholbedarf besteht jedoch noch bei Schweine- und Rindfleisch.

Aldi Süd hat mit der Eigenmarke „bio“ ein garantiert gentechnikfreies Produkt im Regal. Außerdem sind alle Eiermarken gentechnikfrei.

Salmonellen sind Bakterien, die auf den Menschen meist durch Verzehr von rohem Fleisch, Fisch oder Eiern übertragen werden. Symptome sind starker Durchfall und hohes Fieber. Bei älteren und immungeschwächten Menschen kann die Infektion tödlich verlaufen.

Nach einem Bericht von Bayerischem Rundfunk (BR) und „Süddeutscher Zeitung“ waren im Juli 2014 aus dem Ausland Salmonellen-Warnungen beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) eingegangen. Die Behörden hätten zögerlich reagiert, mutmaßlich verseuchte Eier seien zunächst nicht zurückgerufen worden. Das LGL wies die Vorwürfe zurück und betonte, für eine öffentliche Warnung vor Eiern aus dem betroffenen Betrieb habe es in Bayern zu keinem Zeitpunkt die fachlichen und rechtlichen Voraussetzungen gegeben.

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