Schauspiellegende
Oscarpreisträger Ernest Borgnine mit 95 verstorben

Waren es die fünf Ehen? Der Oscar? Oder einfach die weit mehr als 100 Filme, die Ernest Borgnine jung hielten? Nun ist die Schauspiellegende doch gestorben - mit 95. Er selbst hatte ein eigenes Rezept zum Altwerden.
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Oscarpreisträger, Charakterdarsteller und Schauspiellegende: Ernest Borgnine ist tot. Der Darsteller in weit mehr als 100 Hollywoodfilmen und weltweit gezeigten Fernsehserien starb am Sonntag im Kreise seiner Familie in Los Angeles. Borgnine wurde 95 Jahre alt. Er hatte mehr als ein halbes Jahrhundert zu den Großen Hollywoods gehört.

Erst vor einem halben Jahr war er in der Schar anderer Stars verewigt worden. Das Studio Paramount hatte zu seinem 100. Geburtstag mehr als 100 Schauspiellegenden versammelt. Einige wenige hatten das Privileg eines Stuhls, auch der schon 95-jährige Borgnine. Er war der zweitälteste: Nur Kirk Douglas war noch sieben Wochen älter.

Sein bulliges Gesicht mit den buschigen Augenbrauen und der unverwechselbaren Lücke zwischen den Schneidezähnen hatte ihn häufig auf Schurkenrollen in Western und Gangsterfilmen festgelegt. So spielte er sich in Hollywood mit der Rolle des fiesen Sergeanten Fatso in Fred Zinnemanns vielfach ausgezeichnetem Klassiker „Verdammt in alle Ewigkeit“ (1953) nach oben. Das Umfeld kannte er: Der Sohn italienischer Einwanderer, sein eigentlicher Name war Borgnino, war selbst bei der Navy und schied 1941 nach sechs Jahren Dienst aus. Ein paar Monate später überfielen die Japaner Pearl Harbor und Borgnine war wieder drin. Bis zum Kriegsende diente er in der Marine.

Nach „Verdammt in alle Ewigkeit“ kamen Filme wie der Western „Johnny Guitar“ mit Joan Crawford, der Kriegsfilm „Das dreckige Dutzend “, Peckinpahs „The Wild Bunch“ und das Katastrophenspektakel „Die Höllenfahrt der Poseidon“. Doch seinen einzigen Oscar bekam er nicht als Raubein oder Draufgänger, nicht als Soldat oder Revolverheld, sondern als schüchterner Fleischer „Marty“, der mit Mitte 30 noch bei seiner Mutter wohnt. Er hatte - so spottete er später selbstironisch über die Oscarverleihung - kaum ernsthafte Konkurrenz: Nur James Dean, Frank Sinatra, Spencer Tracy und James Cagney waren außer ihm nominiert.

Fünf Mal war Borgnine verheiratet, eine Ehe in den sechziger Jahren hielt gerade 32 Tage. Die Broadwaydiva Ethel Merman sei schon während der Flitterwochen nicht mit seinem Erfolg zurechtgekommen, sagte er. Seine 1973 geschlossene und bis zum Tod anhaltende längste Ehe mit der aus Norwegen stammenden Schönheit Tova Traesnaes machte Borgnine noch einmal populär - und beide reich: Sie vertrieb Schönheitsprodukte per Post und setzte ihn in einem Werbespot als lebendes Beispiel für den Erfolg ein: „Jeder denkt, dass ich ein Face Lift hatte“, sagte er darin - „dabei benutze ich nur die Produkte meiner Frau, die einen zehn Jahre jünger aussehen lassen“.

Jünger sah er aus und Kraft hatte er in der Tat noch. Als „Dominic Santini“ flog er in der aus heutiger Sicht unsäglich schlechten Achtziger-Jahre-Serie „Airwolfe“ gegen alle Gesetze der Physik einen Überschallhubschrauber. Und auch die jüngsten haben von Borgnine zumindest gehört: In der Originalversion der Trickfilmserie „SpongeBob Schwammkopf“ sprach er den dicken „Mermaid Man“.

Borgnine wurde oft gefragt, was das Geheimnis seines langen Lebens und seiner Kraft sei. Als er 91 war, antwortete er in einer Talkshow in einer Weise, die die Zuschauer schockierte. Erst wollte er sein Geheimnis nicht verraten, dann beugte er sich vorüber und flüsterte dem Gastgeber in Ohr und Mikrofon: „Ich masturbiere viel!“

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