Schichtdienste effizient organisieren
Der fast perfekte Dienstplan

Ein guter Dienstplan soll gleichzeitig Kosten sparen und die Mitarbeiter zufrieden stellen. Mathematisch gesehen gilt die Dienstplanung aber wegen der extrem hohen Zahl an beteiligten Parametern und Kombinationsmöglichkeiten als schwer bis gar nicht lösbar.

DÜSSELDORF. Morgens um halb drei klingelt Monikas Wecker. Die 25-jährige Flugbegleiterin fliegt mit der Sechs-Uhr-Maschine nach Palma de Mallorca, erst am Abend wird sie wieder an ihrer Heimatbasis Düsseldorf sein. Nach zwei freien Tagen wird sie vier Tage lang nach München fliegen, danach ist Monika auf der Langstrecke nach Bangkok eingeteilt. Ihre Dienstplanwünsche gibt die Stewardess im Intranet ihres Arbeitgebers ein. Doch da sie erst kurz im Job ist, muss sie oft zurückstehen: Altgediente und ranghöhere Kollegen werden bevorzugt.

Das Arbeiten über den Wolken verlangt den Besatzungen viel Stressresistenz ab – ihre Flug- und Dienstpläne bereiten derweil den Experten am Boden Kopfzerbrechen. Längst wird nicht mehr mit Papier und Bleistift, sondern mit mächtigen Algorithmen festgelegt, welches Flugzeug mit welcher Besatzung wohin fliegt. Die Aufgabe sei „derart groß, dass wir sie selbst mit sehr leistungsstarken Rechnern nur für sehr kleine Fluggesellschaften exakt lösen“, sagt Uwe Schelten, promovierter Mathematiker und Leiter eines zwölfköpfigen Teams für Optimierung bei Lufthansa Systems, einem auf IT-Dienstleistungen spezialisierten Tochterunternehmen der Lufthansa. „Die große Komplexität entsteht auch durch die vielen Regeln, die beachtet werden müssen.“ Wie lange kann ein einzelnes Flugzeug in der Luft sein, wie viele Stunden darf ein Mitarbeiter maximal arbeiten, welche Ruhezeiten sind einzuhalten?

Wie man einen Dienstplan macht, der gleichzeitig Kosten spart und die Mitarbeiter zufrieden stellt, beschäftigt alle Branchen, in denen im Schichtdienst gearbeitet wird. IT-Anbieter schnüren inzwischen maßgeschneiderte Softwarepakete für Dienste in Krankenhäusern und 24-Stunden-Supermärkten oder die Unterrichtsplanung in Schulen. In der Luftfahrtbranche ist rund um das sogenannte Crew-Management eine wahre Optimierungsindustrie entstanden. Das von Schelten und seinen Kollegen bei Lufthansa Systems entwickelte Programmpaket NetLine, mit dem Flug- und Dienstpläne errechnet werden, setzen weltweit rund 60 Fluggesellschaften ein, darunter kleine Anbieter wie die Lufthansa-Tochter City Line mit etwa 70 Flugzeugen und größere Unternehmen wie Air Canada mit mehr als 340 Maschinen und Tausenden Piloten und Flugbegleitern.

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