Schiff bietet 2 144 Passagieren Platz
"Pride of America" auf USA-Kurs

Nach einer Serie von Pannen und Verzögerungen ist das auf der Bremerhavener Lloyd Werft gebaute Kreuzfahrtschiff „Pride of America“ unterwegs auf seiner ersten Reise.

HB BREMERHAVEN. Unter den Augen einiger hundert Schaulustiger legte der 280 Meter lange Luxusliner am späten Dienstagabend an der Werft zur Überführungsfahrt nach New York ab. Er war erst wenige Stunden zuvor an die US-Reederei Norwegian Cruise Line (NCL) übergeben worden. In New York soll die „Pride of America“ am 15. Juni getauft werden. Das Schiff bietet bis zu 2 144 Passagieren Platz. Es soll künftig rund um Hawai kreuzen. Die „Pride of America“ ist der erste Kreuzfahrt-Neubau seit 50 Jahren, der wieder unter US-Flagge fährt.

Beinahe endlose Kontrollen des Neubaus durch die US-Küstenwache waren nach inoffiziellen Angaben der Grund, warum die für Montag geplante Übergabe kurzfristig scheiterte. „Jetzt haben die Banken geschlossen. Deswegen können wir nicht weiter machen“, kommentierte Werftchef Werner Lüken am Abend den Abbruch der Ablieferung.

Wegen des Zeitunterschiedes zwischen Deutschland und den USA nahmen die beteiligten amerikanischen Banken am Dienstag bereits um 4 Uhr morgens Ortszeit die Arbeit auf. Nur so konnte der Kaufpreis von rund 330 Millionen Euro gegen 10 Uhr hiesiger Zeit auf den deutschen Konten verbucht werden. Zwei Stunden später zog NCL-Chef Colin Veitch schließlich die US-Flagge am Hauptmast der „Pride of America“ auf - sichtbarer Beweis dafür, dass der „Stolz Amerikas“ nun wirklich in amerikanischem Besitz ist.

Die verzögerte Ablieferung setzte den Schlusspunkt unter eine Serie von Pleiten, Pech und Pannen während der Entstehung des Schiffes. Bereits 1999 wurde der Bau in den USA im Auftrag der Reederei American Classic Voyages begonnen. Diese ging jedoch zwei Jahre später in Konkurs.

Ende 2002 ließ NCL den Rumpf zum Weiterbau über den Atlantik zur Lloyd Werft schleppen. Doch der ursprüngliche Fertigstellungstermin Dezember 2003 musste verschoben werden - unter anderem deshalb, weil die Reederei den Neubau um ein 24 Meter langes Zwischenstück vergrößern ließ. „Wir müssen hier ein Schiff bauen, das noch gar nicht zu Ende konstruiert ist“, stöhnte Werftchef Lüken seinerzeit.

Da ahnte er noch nichts von der Katastrophe in der Sturmnacht vom 13. zum 14. Januar 2004. Aus bis heute ungeklärter Ursache legte sich der fast fertige Neubau drei Monate vor dem geplanten zweiten Ablieferungstermin auf die Seite und sank mit dem Heck auf den Grund des Hafenbeckens.

Als Folge des Unglücks musste die Lloyd Werft Insolvenz anmelden. 500 eigene Mitarbeiter und rund 2000 Beschäftigte von Zulieferern bangten monatelang um ihre Jobs. „Jetzt können wir bald die Insolvenz beenden“, freute sich Lüken kurz vor dem dritten und nunmehr letzten Ablieferungstermin. Die Gläubiger müssen nach Angaben der Werft auf rund 20 Millionen Euro verzichten.

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